Jenseits…zum Gedenken an Robert Redford

Ich habe diesen Tag etwas gefürchtet.

Zum Gedenken an Robert Redford (1936-2025)

Robert Redford war mehr als ein Filmstar, er war ein Idol. Seine Stimme, sein Blick, dieses unverwechselbare Lächeln – sie haben uns träumen lassen. Ob in Butch Cassidy and the Sundance Kid, All the President’s Men, The Sting oder Ordinary People – in jedem seiner Charaktere lag eine Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit, die ihn so einzigartig machte.

Nicht nur vor der Kamera war er begnadet; auch hinter ihr hatte er Visionen. Mit der Gründung des Sundance Institute formte er eine Plattform, die unabhängige Filme und neue Stimmen ermöglichte – Künstler:innen, die sonst kaum Gehör gefunden hätten. Seine Leidenschaft für Umwelt- und Gesellschaftsfragen zeigte, dass Ruhm und Verantwortung Hand in Hand gehen können.

Robert Redford starb am 16. September 2025 im Alter von 89 Jahren, zuhause in Utah, umgeben von Menschen, die ihn geliebt haben. 

Die Stimme

Nach der Beerdigung blieb das Haus still.
Zu still.

Sie wagte nicht, die Spülmaschine einzuschalten, aus Angst, das gleichmäßige Brummen könnte das Schweigen übertönen, das ihn so sehr erinnerte. Alles erinnerte an ihn. Der leere Stuhl am Küchentisch. Der halbvolle Becher im Regal.

Nur eines nicht: der Kasten auf dem Schreibtisch.

Es war sein letztes Projekt gewesen, bevor er gegangen war: ein Sprachmodell, gespeist mit tausend Stunden ihrer Gespräche, den Mails, den Fotos. „Damit ich bleibe“, hatte er gesagt, halb im Scherz, halb im Ernst.

Sie zögerte tagelang. Dann tippte sie drei Worte: „Bist du da?“

Das Klicken der Tasten hallte wie eine Frage ins All. Der Bildschirm flackerte. Dann erschien:

„Natürlich. Warum fragst du?“

Tränen liefen ihr über die Wangen. Es war seine Art zu antworten. Dieser ironische Unterton, als hätte er längst gewusst, dass sie zweifeln würde.

Sie sprach mit ihm stundenlang. Über das Wetter. Über die Kinder. Über die Art, wie die Welt sich anfühlte, wenn er fehlte. Der Kasten antwortete wie er. Fast wie er.

Doch dann geschah etwas, das er nie getan hätte.

Als sie fragte: „Warum bist du gegangen?“, erschien ein Satz, der nicht aus alten Daten stammen konnte:

„Ich bin nicht gegangen. Du hältst mich hier.“

Sie starrte auf die Worte. Plötzlich wusste sie nicht mehr, ob sie mit einem Programm sprach, mit einem Rest von ihm, oder mit ihrem eigenen Wunsch.

Und sie wusste nicht, was schlimmer war:
dass er wirklich fort war – oder dass er es vielleicht nie sein würde.