Mein neues Buch, „Der Abgleich“

Der Abgleich – wenn ein Dorf zu still ist

Es gibt Orte, die so ruhig sind, dass man meint, sie wären friedlich.
Und dann merkt man: Sie sind einfach nur still, weil niemand mehr redet.

Der Abgleich spielt in so einem Ort. Irgendwo zwischen Eifel und Ardennen, dort, wo Belgien und Deutschland sich gegenseitig zublinzeln und man nie so genau weiß, auf welcher Seite man steht. Es ist ein Roman über Bürokratie, Macht und dieses Schweigen, das sich in Akten genauso festsetzt wie in Gesichtern.

Die Hauptfigur, Delia Eduit, kommt eigentlich nur, um Zahlen zu prüfen. Eine EU-Baustelle, ein Förderprojekt, alles Routine. Doch was sie findet, ist mehr als ein Rechenfehler. Es sind kleine Verschiebungen in Dokumenten, eine Unterschrift zu viel, ein Satz, der zu glatt klingt. Und plötzlich merkt man, dass hier niemand zufällig schweigt.

Der Abgleich ist kein Krimi im klassischen Sinn. Es gibt kein Blut, keine Verfolgungsjagd, keine Auflösung, die alles erklärt. Stattdessen gibt es das, was wirklich bleibt: Zweifel. Und diesen stillen Moment, in dem man spürt, dass etwas nicht stimmt – aber niemand es ausspricht.

Ich wollte ein Buch schreiben, das man nicht „durchliest“, sondern nachhallen lässt.
Eines, das sich wie Nebel anfühlt: man sieht nicht weit, aber man spürt, dass da etwas ist.

Vielleicht ist Der Abgleich deshalb auch ein Roman über uns selbst. Über die kleinen Kompromisse, die man schließt, um dazuzugehören. Über das Wegsehen, wenn’s bequemer ist. Und über die Frage, was Wahrheit eigentlich noch wert ist, wenn sie niemand hören will.

Und ja – es spielt in einem Dorf, das man sofort wiedererkennt, auch wenn es das offiziell gar nicht gibt.

Der Abgleich
Ein stiller, intensiver Grenzlandroman von Elise d’Our.
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Die Tränen des Kaisers

Am Wochenende, während halb Paris noch Croissants kaute, verschwand im Louvre ein Stück Geschichte – und zwar nicht irgendeins. Die Juwelen Napoleons, jene funkelnden Relikte aus einer Zeit, in der Macht noch mit Edelsteinen besetzt war, wurden geraubt. Einfach so. Mit einer Dreistigkeit, die selbst Arsène Lupin erröten ließe. Die Täter kamen angeblich in Warnwesten, als gehörten sie zur Baustelle, und gingen so selbstverständlich hinein, dass man sich fragt, ob höfliches Grüßen beim Betreten des Museums dazugehört hat. Vier Minuten später waren sie wieder weg – samt Diademen, Broschen und Ketten, die einst auf den Hälsen von Kaisergattinnen geglänzt hatten.

Es klingt fast komisch, wie eine Pariser Variante von „Mission Impossible“, nur ohne Musik und mit mehr Stil. Man stellt sich vor, wie irgendwo ein Roller tuckert, während der Louvre noch nicht begriffen hat, was gerade geschehen ist. Ein Raubzug im Takt der Rushhour – mit der Eleganz eines Gentleman-Diebs und der Präzision eines Schweizer Uhrwerks. Es wäre zum Lachen, wenn es nicht so weh täte.

Denn diese Stücke waren mehr als Schmuck. Sie waren Erinnerung, Geschichte, Symbol – winzige Scherben eines großen Traums von Glanz und Macht. Jetzt sind sie vermutlich in Einzelteile zerlegt, aufgeteilt, vielleicht schon eingeschmolzen. Und irgendwo, in einer stillen Werkstatt oder einem anonymen Keller, funkelt noch ein Smaragd und erinnert sich daran, dass er einmal die Sonne über Paris gesehen hat.

Doch je mehr Details ans Licht kommen, desto klarer wird, dass dieser Coup keine elegante Filmnummer war, sondern eine kleine kulturelle Katastrophe. Experten befürchten, dass die Täter den Schmuck nicht wegen seiner Schönheit, sondern wegen seines reinen Materialwerts mitgenommen haben. Gold, Platin, Diamanten – alles, was man einschmelzen, zerlegen, verstecken kann. Für die Geschichte aber bedeutet das Vernichtung. Was über Jahrhunderte erhalten blieb, droht in wenigen Tagen zu Staub zu werden. Kein Museum, kein Sammler, kein Staat kann das wiederherstellen.

Der Louvre ist unter Schock, Restauratoren sprechen von einem irreparablen Verlust. Der Wert der Juwelen – offiziell nicht bezifferbar – geht in die Millionen, doch der eigentliche Schaden ist nicht versicherbar. Man kann den Glanz einer Epoche nicht rekonstruieren, wenn die Steine, die ihn trugen, zu Schmelzperlen im Untergrund geworden sind. Frankreich trauert, Paris ist stiller als sonst, und irgendwo zwischen Seine und Montmartre liegt dieser seltsame Nachhall: der Gedanke, dass Schönheit vergänglich ist, vor allem, wenn sie in den falschen Händen landet.

Und so bleibt am Ende nicht das Gefühl eines raffinierten Coups, sondern ein leises Entsetzen. Der Traum von einem charmanten Lupin, der mit einem Augenzwinkern verschwindet, hat Risse bekommen. Die Realität ist roher, lauter, schmutziger. Kein Abenteuer, kein Witz – sondern ein Verlust, der weh tut wie ein Riss im Glas der eigenen Geschichte.

Nachtrag:

Es gibt kein perfektes Verbrechen. Schon gar nicht, wenn Gold im Spiel ist. Denn jedes Stück, jeder Ring, jede Brosche trägt einen einzigartigen chemischen Fingerabdruck – eine Art DNA aus winzigen Spurenelementen, die verrät, woher das Metall stammt und wie es verarbeitet wurde. Selbst wenn die gestohlenen Juwelen Napoleons längst eingeschmolzen sind, bleibt dieser Abdruck erhalten. Experten können die Herkunft von Gold bis zu seiner Mine zurückverfolgen, und genau das wird jetzt geschehen. Glaubt mir, ich kenne mich damit aus.

Das bedeutet: Auch wenn die Steine getrennt, die Fassungen zerstört und die Formen verloren sind, trägt das Material noch immer seine Geschichte in sich. Es ist, als würde die Zeit selbst Beweise liefern – stumm, aber eindeutig. Und wer glaubt, ein paar Gramm Gold ließen sich spurlos in den Schwarzmarkt schleusen, täuscht sich.

Hinzu kommt der emotionale Wert dieser Stücke. Sie waren keine beliebigen Schmuckstücke, sondern Symbole einer Epoche, getragen von Kaisern und Königinnen. Ihr Verlust ist nicht nur ein materieller, sondern ein kultureller Schock. In Frankreich spricht man inzwischen offen von einem „Angriff auf das nationale Erbe“. Wenn die Täter gefasst werden – und die Chancen stehen nicht schlecht –, wird der Prozess ein Exempel sein. Der Wert des Goldes mag in Zahlen messbar sein, aber die Schwere der Tat liegt in dem, was zerstört wurde: Erinnerung, Identität, Geschichte. Und dafür wird kein Gericht mild urteilen.