Das Sandalenbuch- Achtsam aber nicht nett

Das Mitohnesahne- Lifehack- Buch

Es gibt Momente, da ist nicht das Thema das Problem – sondern das Tempo. Ein Satz, eine Nachricht, ein Blick, und plötzlich läuft der Autopilot: erklären, retten, nett sein, kontern, grübeln. Genau für diese winzigen, entscheidenden Sekunden habe ich dieses Buch geschrieben.

Es ist kein „alles wird gut“-Ratgeber und auch kein Wohlfühl-Programm. Es ist eher ein klarer Ablauf, den man im echten Leben nutzen kann, wenn’s eng wird: kurz stoppen, kurz Abstand gewinnen, dann sauber handeln – ohne sich selbst dabei zu verlieren. Praktisch, nüchtern, mit trockenem Humor an den Stellen, wo man sonst nur die Zähne zusammenbeißt.

Wofür das hilft? Für Situationen, in denen Ihr später denkt: Warum habe ich so reagiert? Für Grenzen, die man setzen will, ohne Drama. Für Stress, der einen schneller macht. Für Chats, Gespräche, Alltag – und alles, was harmlos aussieht, aber innen anknipst.

Wenn Ihr ein Buch sucht, das nicht belehrt, sondern Euch wieder ans Steuer bringt, dann findet Ihr es hier:
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Lächeln und Winken: Das Lieblingsprogramm der Ahnungslosen

Oder: Warum symbolische Solidarität unsere Gesellschaft in den Ruin treibt

Kennen Sie das? Da stehen Bauern mit ihren Traktoren auf der Straße, protestieren gegen Mercosur, und plötzlich sind alle solidarisch. Instagram-Stories mit grünen Herzen. „Ich stehe an eurer Seite!” Hashtags ohne Ende. Nur eine winzige Kleinigkeit fehlt: Das Verstehen, worum es eigentlich geht.

Willkommen in der Ära des professionellen Lächelns und Winkens – jener glorreichen Disziplin, in der man maximale Empörung mit minimalem Wissen kombiniert. Ein Programm, das wie geschaffen ist für Flachzangen und Hochstapler. Und nebenbei – ganz beiläufig – unsere Gesellschaft und Wirtschaft demontiert.

Die Kunst des qualifizierten Nichtwissens

Mercosur? Klar, irgendwas mit Handel und Südamerika. Schlecht für unsere Bauern, hat man gehört. Reicht doch, oder?

Falsch. Gewaltig falsch.

Denn während unsere landwirtschaftlichen Betriebe unter strengsten Umweltauflagen, Tierschutzstandards und bürokratischen Hürden produzieren – und nebenbei auch noch faire Löhne zahlen –, dürfen durch Mercosur Produkte auf unseren Markt, die unter Bedingungen entstanden sind, die wir hier zu Recht verboten haben. Massiver Pestizideinsatz? Check. Regenwald-Rodung? Kein Problem. Arbeitsrechte? Optional.

Aber hey, Hauptsache man hat mal nett gewunken und sich gut gefühlt. Mission Solidarität erfüllt, weiter zum nächsten Trend.

Erst verstehen, dann die Klappe aufmachen

Man kann nur für etwas einstehen, das man auch verstanden hat. Das ist keine Raketenwissenschaft, sondern simpler Anstand. Echte Grenzen setzen bedeutet nicht, irgendwo mitzuwinken, weil es gerade gut aussieht. Es bedeutet, sich die Mühe zu machen, Zusammenhänge zu durchdringen. Es bedeutet, unbequeme Fragen zu stellen. Es bedeutet, auch dann Position zu beziehen, wenn es nicht mehr trendig ist. Und es bedeutet vor allem, den Unterschied zu kennen zwischen echter Solidarität und Instagram-Aktivismus.

Aber das ist anstrengend. Das erfordert Lesen, Nachdenken, vielleicht sogar mal ein Gespräch mit einem echten Landwirt statt nur ein schnelles Selfie vor dessen Traktor.

Das Paradies der Hochstapler

Wissen Sie, wer sich über diese Kultur des oberflächlichen Beifalls am meisten freut? Hochstapler, Populisten und all jene, die von Ahnungslosigkeit profitieren.

Wenn niemand mehr fundiert widerspricht, wenn kritische Auseinandersetzung durch sympathisches Nicken ersetzt wird, dann haben wir ein Problem. Ein massives Problem. Denn dann können politische Entscheidungen durchgewunken werden, die bei genauerer Betrachtung katastrophal sind. Dann haben jene das Sagen, die am lautesten schreien – nicht die, die am besten argumentieren. Dann wird Bauchgefühl wichtiger als Faktenlage, und es gewinnt, wer am besten lächelt – nicht wer am meisten versteht.

Die Bauernproteste gegen Mercosur sind dabei nur ein Symptom. Ein besonders deutliches zwar, aber bei weitem nicht das einzige.

Wenn Solidarität zur hohlen Phrase wird

Echte Solidarität kostet etwas. Sie kostet Zeit, sie kostet Mühe, manchmal kostet sie auch Geld oder Komfort. Sie bedeutet, sich einzuarbeiten, Position zu beziehen und diese auch dann zu halten, wenn der Wind sich dreht.

Lächeln und Winken kostet nichts. Es ist die Discounter-Version von Engagement. Die Light-Variante von Zivilcourage. Der Instant-Kaffee unter den politischen Haltungen.

Und genau deshalb ist es so beliebt.

Aber während wir alle freundlich winken und uns gegenseitig versichern, wie toll wir alle sind, werden draußen echte Existenzen vernichtet. Bauernhöfe, die seit Generationen bestehen, geben auf. Nicht weil sie schlecht wirtschaften, sondern weil sie in einem System konkurrieren müssen, das ihnen mit der einen Hand Standards auferlegt und sie mit der anderen Hand gegen Billigkonkurrenz antreten lässt, die diese Standards ignorieren darf.

Die Rechnung kommt – garantiert

Hier die unbequeme Wahrheit: Eine Gesellschaft, die das fundierte Widersprechen verlernt hat, ist erledigt. Wirtschaftlich, politisch, kulturell.

Wenn wir uns daran gewöhnen, dass oberflächliches Verstehen ausreicht, dann treffen wir schlechte Entscheidungen – persönlich wie politisch. Dann fallen wir auf jeden Scharlatan rein, der halbwegs sympathisch rüberkommt. Dann verlieren wir die Fähigkeit, echte Probleme von gefühlten zu unterscheiden. Und dann geben wir unsere Zukunft in die Hände von Leuten, die gut performen – nicht gut denken.

Was tun? (Spoiler: Mehr als nur winken)

Die Lösung ist so einfach wie unbequem: Hört auf zu winken und fangt an zu verstehen.

Mercosur betrifft Sie? Dann lesen Sie das verdammte Abkommen. Oder zumindest eine fundierte Analyse davon. Sie wollen Bauern unterstützen? Dann kaufen Sie regional. Zahlen Sie faire Preise. Nicht nur wenn es gerade trendet. Sie haben eine Meinung? Großartig. Können Sie sie auch begründen? Ohne Youtube-Videos und Bauchgefühl?

Echtes Einstehen für sich und andere beginnt mit einem klaren Blick auf die Realität. Nicht mit einem Lächeln in die Kamera.


Die Bauern werden nicht durch Mercosur kaputtgemacht. Sie werden durch eine Gesellschaft kaputtgemacht, die zu bequem geworden ist, um noch echte Solidarität von performativer Betroffenheit zu unterscheiden.

Und wenn wir so weitermachen, werden wir bald alle merken: Lächeln und Winken macht nicht satt.

Schreibtischleben

Draußen fällt der Schnee in dichten Flocken, die Straßen sind glatt und die Welt hat sich in ein unwirtliches Grau gehüllt. Drinnen knistert das Feuer im Ofen, und ich sitze hier – im Schlafanzug, die Haare ungekämmt, in einem Schlabberlook, der jeden Dresscode verhöhnt. Seit Tagen. Der Computer wirft sein bläuliches Licht auf mein Gesicht, und ich schreibe.

Es gibt einen Moment, in dem man versteht, warum John Irving einmal sagte, er wolle am Schreibtisch sterben. Nicht aus Morbidität, sondern weil dieser Ort – dieser unscheinbare Platz zwischen Tastatur und Bildschirm – der Ort ist, an dem man am lebendigsten ist. Wo die Welt draußen versinken kann in Schnee und Eis und Unbehagen, während man selbst in anderen Welten wandelt, Sätze formt, Gedanken jagt, die flüchtiger sind als Schneeflocken.

Der Schreibtisch als letzter Zufluchtsort. Als Festung gegen die Kälte. Als das Zentrum des eigenen Universums.

Man verliert das Zeitgefühl. Ist es Tag? Nacht? Mittwoch oder Samstag? Es spielt keine Rolle. Die Dusche wird optional, frische Kleidung eine unnötige Komplikation. Man wird zu einer Kreatur der Gewohnheit: Kaffee, Schreiben, ein hastiger Bissen zu essen, wieder Schreiben. Die Welt schrumpft auf diese wenigen Quadratmeter am Ofen, wo die Wärme des Feuers und die Hitze der eigenen Konzentration verschmelzen.

Und man ist nicht allein in diesem wunderbaren Wahnsinn. Irving hat es getan. Viele andere haben es getan. Tagelang, wochenlang in den eigenen vier Wänden versunken, getrieben von etwas, das größer ist als Bequemlichkeit oder soziale Konventionen. Es ist dieser unstillbare Drang, die Geschichten aus dem Kopf auf die Seite zu bringen, bevor sie verblassen. Bevor der Zauber bricht.

Das Feuer knistert. Ein beruhigendes Geräusch, fast wie ein Herzschlag. Es erinnert daran, dass man lebt, auch wenn man sich wie ein Eremit verhält. Der Schnee draußen isoliert, aber er befreit auch. Niemand erwartet, dass man hinausgeht. Niemand klingelt unangemeldet. Die Welt hat einen eine Auszeit gegeben, und man nimmt sie dankbar an.

Im Schlabberlook vorm Computer zu sitzen ist keine Schande – es ist ein Privileg. Es ist die pure, ungefilterte Version des Schreibens. Ohne Maske, ohne Fassade. Nur man selbst und die Worte. Und vielleicht, nur vielleicht, versteht man in solchen Momenten, was Irving meinte. Nicht dass man sterben will – sondern dass man genau hier, an diesem Ort, wo die Finger über die Tasten tanzen und das Feuer im Ofen brennt, vollkommen und ganz man selbst ist.

Wenn der Schnee schmilzt und die Welt wieder hereinbricht, wird man zurückkehren müssen. Sich duschen, anständig kleiden, unter Menschen gehen. Aber bis dahin: noch eine Tasse Kaffee, noch ein Kapitel, noch eine Nacht am erleuchteten Bildschirm.

Der Schreibtisch steht am Ofen. Das Feuer knistert. Und draußen schneit es weiter.

Mein 1. Sandalenbeitrag – heute : Achtsamkeit

Achtsamkeit klingt oft größer, als sie sein muss. Dabei geht es nicht um perfekte Ruhe, stille Räume oder besondere Rituale – sondern um etwas sehr Praktisches: einen Moment früher merken, was gerade passiert. Im Kopf. Im Körper. Im Tonfall. Und dann nicht automatisch in die gleiche Richtung loslaufen wie immer.

Denn genau dort, in dieser kleinen Sekunde zwischen Reiz und Reaktion, liegt der Unterschied. Wer Achtsamkeit übt, wird nicht „immer gelassen“. Aber Ihr könnt schneller erkennen: Jetzt kippt es. Jetzt werde ich hart, jetzt werde ich klein, jetzt werde ich unfreundlich zu mir selbst, jetzt rutsche ich in diesen alten Reflex, der zwar vertraut ist – aber selten hilfreich.

Achtsamkeit bedeutet dann nicht, alles auszuhalten. Sie bedeutet auch nicht, ständig nett zu bleiben. Sie bedeutet: klarer sehen, bevor man handelt. Und manchmal ist das schon genug, um eine Situation nicht eskalieren zu lassen – oder sich hinterher nicht zu fragen, warum man wieder genau so reagiert hat.

Das Schöne ist: Achtsamkeit funktioniert in Mini-Version.

Ein Atemzug, bevor Ihr antwortet.

Ein kurzer Check: Was brauche ich gerade wirklich?

Ein inneres Stoppschild, wenn der Kopf wieder in Dauerschleife läuft.

Ein Satz, der Euch zurückholt: Ich kann später reagieren. Ich muss jetzt nicht.

Es sind diese kleinen Momente, die sich summieren. Nicht spektakulär, nicht „instagrammable“ – aber wirksam. Und oft spürt man es zuerst an ganz einfachen Dingen: weniger inneres Nachbeben, weniger Grübeln, weniger Energieverlust an Stellen, wo er nicht nötig ist.

Achtsamkeit ist am Ende kein Extra. Sie ist eine Form von innerer Ordnung. Und die kann man nicht nur brauchen – man kann sie auch lernen.

Böller

Mein Hund ist ein freundliches, sanftes Wesen. Mit ausgezeichnetem Geruchssinn und schrecksicher, weil Jagdhunde-Gene sein Gemüt prägen. Nur gestern konnte er nicht mehr. Er war vollkommen aufgelöst. Das einzige was blieb war, den Hund ins warme Auto zu packen und mit sanfter Musik auf einen Berg hoch fahren und das ganze Theater von oben anzusehen. Nur er und ich. Er auf meinem Schoß. Alleine.