Es ist schon bemerkenswert, wie leicht heute Haltungsnoten verteilt werden, sobald die richtige Flagge im Hintergrund steht. Ausgerechnet die Ukraine wird inzwischen oft behandelt, als sei sie seit Jahren ein Musterstaat in Sachen politische Sauberkeit. Das war sie nicht. Sie galt über lange Zeit als eines der korruptesten Länder Europas. Im Korruptionsindex von Transparency International lag sie 2021 bei 32 von 100 Punkten auf Platz 122 von 180. 2024 waren es 35 Punkte, 2025 36 Punkte und Platz 104 von 182. Das ist keine Erfolgsgeschichte mit Heiligenschein. Das ist eher der langsame Weg aus dem Sumpf.
Natürlich gab es Reformen. Natürlich gab es Fortschritte. Aber Fortschritt ist nicht dasselbe wie Läuterung. Die OECD schrieb 2025 selbst, dass die Ukraine weiter an Integrität, Kontrolle, Rechtsrahmen und institutioneller Stabilität arbeiten muss. Anders gesagt: Das Problem ist nicht weg. Es hat nur bessere Presse bekommen.
Besonders entlarvend war der Vorgang im Juli 2025. Damals beschloss das ukrainische Parlament ein Gesetz, das die Unabhängigkeit der Anti-Korruptionsbehörden NABU und SAPO einschränkte. Nach Protesten im Land und deutlicher Kritik aus der EU musste Selenskyj wieder zurückrudern und eine neue Vorlage einbringen. Wer mitten im EU-Beitrittsprozess an den eigenen Anti-Korruptionsorganen herumsägt, sollte bei moralischer Überlegenheit besser etwas leiser auftreten.
Genau das macht diese ganze Inszenierung so unerquicklich. Außen großes Pathos, innen alte Probleme. Außen Anspruch, innen weiter ein Staat, der das Thema Korruption längst nicht hinter sich gelassen hat. Und trotzdem wird jede Kritik sofort so behandelt, als sei sie unanständig. Dabei ist der Satz ganz einfach: Man kann die Ukraine unterstützen und trotzdem feststellen, dass sie kein politisches Kloster ist.
Die ehrliche Fassung lautet deshalb: Die Ukraine war jahrelang kein Vorbild an sauberer Staatsführung, sondern ein Land mit massiven Korruptionsproblemen. Daran ändern Kriegsrhetorik, moralische Belehrungen und westliche Verklärung nichts. Ein paar Punkte mehr im Index sind ein Fortschritt. Mehr aber auch nicht.
Jetzt droht Selenskyj also Orban? Ich weiß nicht, ob ich das persönlich als dumm und dreist bezeichne oder einfach als … mir fallen die passenden Worte leider nicht ein!