Schatten am Fluss

Der Regen hatte irgendwann in der Nacht aufgehört. Als Elina am frühen Morgen die Brücke betrat, war das Pflaster noch feucht. In der Luft lag dieser eigentümliche Geruch von Schiefer und Wasser, der ihr vertrauter war als ihr lieb war.

Sie blieb stehen. Nicht, weil sie es musste – sondern weil sie es fühlte. Irgendetwas stimmte nicht. Der Fluss rauschte ruhig, doch in diesem Moment war es, als würde die Strömung den Atem anhalten.

Ein Reflex ließ sie die Hand an die Jackentasche legen. Nicht zum Schutz. Zum Erinnern. Hier begann alles.

Ein Schatten bewegte sich unter der Brücke. Kurz. Kaum wahrnehmbar. Doch sie hatte gelernt, solchen Augenblicken zu trauen.

Sie ging weiter. Kein Blick zurück. Kein Zögern. Genau das wäre der Fehler. Wer auch immer dort war, beobachtete sie. Und wartete auf Unsicherheit.

Auf der anderen Seite der Brücke blieb sie kurz stehen. Horchte. Lauschte. Nichts. Keine Schritte. Kein Atem, der den falschen Rhythmus verriet. Nur das Wasser.

Sie zwang sich, den Weg entlangzugehen, bis sie hinter der Biegung aus dem Sichtfeld war. Erst dann drehte sie sich um.

Der Schatten war verschwunden.

Aber die Gefahr nicht.

Elina wusste, dass dies keine Nachricht war. Keine Warnung. Es war der Beginn. Von etwas, das sie nicht aufhalten konnte. Nur hinauszögern.

Sie ging weiter, die Finger verkrampft um das, was in ihrer Tasche lag. Kein Souvenir. Kein Symbol. Nur der Beweis, dass die Vergangenheit sie gefunden hatte.

Und dass sie jetzt diejenige war, die gefunden werden sollte.

Der Fluss rauschte weiter. Doch diesmal hörte Elina das andere Geräusch dahinter. Das leise, geduldige Schleifen von Schritten, die folgten.

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Weichgespült

Man kennt sie: diese deutschen Fernsehsendungen, in denen selbst ein Wohnblockbrand klingt, als sei er Teil eines Achtsamkeitstrainings.

„An diesem Punkt möchten wir Sie, liebe Zuschauerinnen, liebe Zuhörende und Mitfühlende*, achtsam abholen.“

Ach ja? Und wo hole ich mich denn da jetzt bitte ab?

In einer Welt, in der Menschen nicht mehr „arbeiten“, sondern „sich in beruflichen Rollen wiederfinden“, wo Probleme „Herausforderungen“ und Katastrophen „besondere Ereignisse“ heißen, hat sich die deutsche TV-Sprache in eine weichgespülte Kunstsprache verwandelt – irgendwo zwischen Beichtstuhl und Gesprächskreis.

Ein Beispiel aus einer typischen Sozialdoku:

Früher: „Sandra ist seit zwei Jahren arbeitslos.“

Heute: „Sandra gestaltet aktuell eine berufsfreie Lebensphase und sieht sich dabei in einem ressourcenorientierten Prozess.“

Oder in einer Kinderdoku:

„Hier erleben wir eine Person im jüngeren Entwicklungsabschnitt, die aktuell einen Pausen-Snack zu sich nimmt.“

Das Kind isst einfach eine Brezel. Aber Gott bewahre, wir sagen das so.

Dann natürlich das Gendern. Nicht einfach beiläufig, sondern mit Zwangsbeatmung:

„An dieser Stelle möchten wir auch unsere Dachdeckenden und Dachdeckenden*innen herzlich willkommen heißen – und natürlich alle, die sich weder dem einen noch dem anderen zuordnen möchten.“

Ein Dach über dem Kopf haben? In Deutschland muss selbst das erstmal divers gedacht werden.

Und immer diese Frage:

„Wo hole ich Sie denn da ab?“

Antwort: Vielleicht bei der Realität.

Denn während das wahre Leben draußen tobt, watet das öffentlich-rechtliche Fernsehen weiter durch einen Sprachbrei, so samtig und konfliktscheu, dass selbst Rosamunde Pilcher sich langweilen würde.

Also liebe Medienschaffenden:

Vielleicht mal weniger abholen. Mehr aussprechen. Man kann auch mal sagen:

„Hier brennt der Kittel.“

Ohne vorher zu fragen, ob sich irgendwer abgeholt fühlt.

Die Wahrheit ist…

Also, das war so:

Nachdem in der Eifel das Gerücht die Runde machte, Elise sei eine Agentin, musste ich den Krimi vom Markt nehmen, ihn mit neuen Namen versehen und die Identität der Protagonisten ins Neblige setzen. Leute. Ich wohne in einem Dorf – da ist man gern inkognito😂😂😂…

Also wer dich dennoch für die Wahrheit der Frau mit den drei Kindern interessiert… sollte das Buch kaufen, es lesen und dann überlegen, wer nun diese Frau wirklich ist ! «У истины много лиц.»

Habt einen schönen Sommer !

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Noch 45 Minuten

Wir sind unterwegs. Schon seit Stunden. Genauer gesagt: seit drei Stunden und zwanzig Minuten, aber wer zählt das schon… (Ich. Ich zähle. Seit Kilometer 1.) Jetzt sind es noch genau 40 Minuten. Dann sind wir da. Dann beginnt ein neues Kapitel – mit tapsigen Pfoten, Welpenatem und wahrscheinlich sehr viel Chaos.

Dienstag, mitten in der Woche, mitten im Leben – und wir fahren quer durchs Land, um unseren Hund abzuholen. Den, den wir vor ein paar Wochen ausgesucht haben, als er noch nicht mehr war als ein verschlafenes Wollknäuel mit rosa Bauch und winzigen Krallen. Heute ist er neun Wochen alt. Und heute kommt er mit uns nach Hause.

Es fühlt sich an wie kurz vor der Geburt eines Kindes – nur dass keiner von uns pressen muss. 😅 Stattdessen atmen wir kollektiv durch die Klimaanlage, diskutieren über Hundenamen, Sitzordnung im Auto, ob die Leine zu lang ist oder der Napf zu klein. Die Kinder haben schon dreimal den Namen geändert, viermal das Begrüßungsritual für unsere andere Hündin geübt und einmal (vielleicht aus Nervosität) versucht, mich davon zu überzeugen, dass wir doch lieber zwei Hunde holen könnten. Haha. Nein.

Hinten im Kofferraum liegt alles bereit: Kuscheldecke, Kaustange, ein kleines Stofftier mit eingebautem Herzschlag (ja, sowas gibt’s – fragt nicht) und der allererste Napf. Er glänzt silbern und ahnt noch nicht, was da auf ihn zukommt.

Ich schaue nach vorn. Noch 39 Minuten. Der Züchter hat geschrieben, dass er uns erwartet. Der Hund kennt uns vermutlich nicht mehr – aber das ist okay. Wir bringen Geduld mit. Und Käse. Sehr viel Käse für Hunde …

Ich schwanke zwischen Aufregung, Freude und leichter Panik. Wir holen ein Lebewesen ab. Eins mit Eigenwillen, mit Zähnen, mit Bedürfnissen. Und mit Herz. Und dieses Herz wird ab heute bei uns schlagen. Auf unserer Couch. Unter unserem Tisch. Mitten im Familienleben.

Noch 38 Minuten.

Ich melde mich später. Wenn wir angekommen sind. Wenn die erste Begrüßung geschafft ist. Wenn wir alle ganz offiziell einer mehr sind.

🐶❤️

Alle Fronten einer Frau


Es ist 6:30 Uhr morgens. Der Wecker klingelt, aber ich bin schon wach – seit einer Stunde liege ich hier und denke über die To-Do-Liste nach, die heute wieder endlos lang sein wird. Während ich mich aus dem Bett schäle, höre ich bereits Musik aus dem Teenagerzimmer – oder ist es schon wieder Streit am Handy? Der Tag beginnt, und mit ihm beginnt das Kämpfen an verschiedenen Stellen.

Der Kampf als Mutter von Teenagern
Als Mutter von Teenagern kämpfe ich täglich gegen die Stimme in meinem Kopf, die mir sagt, dass ich versagt habe. Dass ich die wichtigsten Jahre verpasst habe, die entscheidenden Gespräche nicht geführt habe, die richtigen Grenzen nicht gesetzt habe. Ich kämpfe gegen die Hilflosigkeit, wenn mein Kind mit Problemen zu mir kommt, die ich nicht lösen kann.

Ich kämpfe gegen die Angst vor der Zukunft – wird mein Kind den richtigen Weg finden? Habe ich genug Selbstbewusstsein vermittelt? Genug Werte? Genug Liebe? Ich kämpfe gegen die Verzweiflung, wenn aus liebevollen Gesprächen plötzlich Türenknallen wird, wenn aus “Mama, ich erzähl dir alles” ein “Du verstehst mich sowieso nicht” wird.

Ich kämpfe gegen die Einsamkeit, die entsteht, wenn das Kind, das früher in meine Arme gerannt ist, jetzt lieber mit Freunden Zeit verbringt. Gegen die Angst, nicht mehr gebraucht zu werden, aber gleichzeitig gegen die Sorge, loslassen zu müssen, bevor ich bereit bin.

Und dann kämpfe ich gegen die Tränen, wenn mein Teenager nach einem schweren Tag doch noch zu mir kommt und sagt: “Mama, gut dass du da bist” – weil ich weiß, dass ich es trotz allem richtig mache, auch wenn es sich nicht immer so anfühlt.

Der Kampf als Frau
Als Frau kämpfe ich gegen die Erwartungen einer Gesellschaft, die mir sagt, ich müsse alles sein: erfolgreich im Beruf, perfekt als Mutter, attraktiv als Partnerin, organisiert als Hausfrau. Ich kämpfe gegen den Druck, immer gut auszusehen, auch wenn ich drei Stunden geschlafen habe.

Ich kämpfe gegen die Stimmen, die mir sagen, dass meine Bedürfnisse weniger wichtig sind als die aller anderen. Gegen die Tendenz, mich selbst hintenanzustellen, bis nichts mehr von mir übrig ist. Gegen die Müdigkeit, die so tief sitzt, dass ein Wochenende sie nicht wegspülen kann.

Ich kämpfe dafür, meine eigene Stimme zu hören zwischen all den anderen Stimmen, die mir sagen, was ich tun soll, wie ich sein soll, was ich erreichen soll.

Der Kampf als Freundin
Als Freundin kämpfe ich gegen die Zeitnot. Gegen die Schuldgefühle, wenn ich Wochen brauche, um eine Nachricht zu beantworten. Gegen die Angst, meine Freundschaften zu vernachlässigen, während ich versuche, alle anderen Bälle in der Luft zu halten.

Ich kämpfe gegen das Gefühl, nicht mehr interessant zu sein, weil sich meine Gesprächsthemen nur noch um Teenager-Drama, Schulstress und die Sorgen um die Zukunft meiner Kinder drehen. Gegen die Einsamkeit, die entsteht, wenn man sich von seinen Freunden entfernt fühlt, deren Kinder noch klein sind oder die keine Kinder haben – deren Leben so anders geworden ist.
Und ich kämpfe dafür, diese Verbindungen zu erhalten, die mich daran erinnern, wer ich jenseits meiner Rollen bin.

Der Kampf als Geliebte und Partnerin
Als Partnerin kämpfe ich gegen die Erschöpfung, die jede Romantik erstickt. Gegen die Routine, die aus der großen Liebe einen Zweckverband macht. Gegen die Tatsache, dass Gespräche über Teenager-Probleme, Geld und Termine die intimen Momente verdrängen.

Ich kämpfe gegen das schlechte Gewissen, wenn ich keine Lust auf Intimität habe, obwohl ich weiß, dass auch mein Partner Bedürfnisse hat. Gegen die Angst, dass wir uns als Paar verlieren, während wir als Eltern von Teenagern funktionieren – eine Zeit, in der wir uns oft hilfloser fühlen als je zuvor.
Und ich kämpfe dafür, dass aus uns wieder “wir” wird – nicht nur “die Eltern von” oder “die, die sich Sorgen machen”.

Die Wahrheit über das Kämpfen
Die Wahrheit ist: Ich bin müde. Müde vom Kämpfen, müde vom Funktionieren, müde davon, allen gerecht werden zu wollen. Manchmal möchte ich einfach nur sein, ohne kämpfen zu müssen. Ohne Performance, ohne Optimierung, ohne die ständige Angst, nicht zu genügen.
Aber ich habe auch gelernt: Das Kämpfen gehört dazu. Es ist nicht das Zeichen dafür, dass ich etwas falsch mache. Es ist das Zeichen dafür, dass ich lebe. Dass ich liebe. Dass mir die Menschen in meinem Leben wichtig sind.

Was mir hilft?
An manchen Tagen hilft es mir, das Kämpfen als das zu sehen, was es ist: ein Zeichen meiner Stärke. Jeder Kampf, den ich kämpfe, ist ein Beweis dafür, dass ich nicht aufgebe. Dass ich bereit bin, für das zu kämpfen, was mir wichtig ist.
Manchmal hilft es auch, die Kämpfe zu priorisieren. Nicht jeden Tag an allen Fronten kämpfen zu müssen. Manchmal reicht es, eine gute Mutter zu sein. Manchmal reicht es, eine liebevolle Partnerin zu sein. Manchmal reicht es, einfach nur zu überleben.
Und manchmal hilft es, ehrlich zu sein. Zu sagen: “Ich kämpfe gerade” – zu mir selbst und zu anderen. Denn in dieser Ehrlichkeit liegt eine Befreiung. Die Befreiung von der Erwartung, perfekt zu sein.

An alle, die auch kämpfen:
Falls du das hier liest und dich erkennst: Du bist nicht allein. Wir alle kämpfen an verschiedenen Stellen. Wir alle haben Tage, an denen wir uns fragen, ob wir genug sind. Die Antwort ist: Ja, du bist genug. Auch wenn es sich nicht so anfühlt.
Dein Kampf ist valid. Deine Müdigkeit ist berechtigt. Deine Zweifel sind menschlich. Und deine Stärke, trotz allem weiterzumachen, ist bewundernswert.
Wir müssen nicht perfekt sein. Wir müssen nur menschlich sein. Und das bedeutet: kämpfen, fallen, wieder aufstehen – und dabei wissen, dass wir es wert sind, geliebt zu werden, genauso wie wir sind.

Was sind eure Kämpfe? Schreibt mir gerne in die Kommentare – manchmal hilft es, zu wissen, dass man nicht allein kämpft.

Auszeit

Ich bin in Urlaub- jedenfalls mein Kopf .

Das Buch ist bei Amazon erhältlich- ich jetzt leer geschrieben und die Kinder wollen die nächsten acht Wochen keine tippende Mutter.

Ok. Das Laptop hat Urlaub- der Rest auch … gehabt Euch wohl !

„Steine der Our“- ein ungewöhnlicher Krimi …

Grenzland-Noir ist kein Genre für zarte Seelen.
Hier geht’s nicht um hübsch drapierte Leichen mit Poesie im Blut, auch nicht um Kommissare, die im Regen philosophieren, während die Ardennen ästhetisch zerfallen. Hier geht’s um Dazwischen. Um Dinge, die nicht gesagt werden – und trotzdem passieren.

Deshalb hat dieses Buch einen Disclaimer. Einen ziemlich deutlichen.
Keinen, der dich juristisch absichert. Sondern einen, der dich warnt: Was du hier liest, ist näher an dir dran, als du denkst.
Nicht, weil es laut ist. Sondern weil es flüstert.

„Kein Bunker mehr. Kein geheimes Fach unter der Kapelle. Kein Toter, der sich freiwillig hinlegt.“
So oder so ähnlich könnte es dort stehen. Stattdessen steht da: Vorsicht, echt.

Was das heißt?
Dass hier jemand spricht, der nie sprechen wollte.
Der zu viel gesehen hat. Der zu lange geschwiegen hat.
Und der sich jetzt endlich traut – nicht laut, nicht offiziell. Aber lesbar.
Zwischen den Wörtern. Hinter der Geschichte.

Ob sie Elise heißt, spielt keine Rolle.
Ob sie wirklich in Ouren wohnt, wirst du nie erfahren.
Aber du wirst merken, dass sie da war.
Dass sie etwas trägt, das man nicht googeln kann.

Andere Ardennenkrimis geben dir einen Plot.
Dieser hier gibt dir eine Entscheidung: Willst du wissen, was damals wirklich war? Oder lieber weiter an das glauben, was im Polizeibericht stand?

Wer das Buch liest, liest keine Geschichte.
Er liest das, was übrig bleibt, wenn man alles andere weglässt: Wahrheit.
Unbequem, verschüttet, und mit einem Stein auf der Brust.

Der Rest ist nur ein Disclaimer.

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Der neue Krimi…

…ist fertig.

Spannende Neuigkeiten aus dem Eifel-Grenzland: Mein neuester Roman „Steine der Our“ nimmt am Kindle Storyteller Award 2025 teil!

In diesem atmosphärischen Thriller tauchen wir tief ein in die geheimnisvolle Welt des deutsch-belgisch-luxemburgischen Grenzlands. Elise d’Our, ehemalige Geheimagentin und jetzt Schriftstellerin im idyllischen Ouren, glaubte, ihre Vergangenheit endgültig hinter sich gelassen zu haben. Doch als mysteriöse Ereignisse rund um die alten Burgen der Region auftauchen, wird sie in einen gefährlichen Strudel aus Geheimnissen, Verrat und tödlichen Wendungen hineingezogen.

Was als harmloses Autorenleben begann, entwickelt sich zu einem packenden Katz-und-Maus-Spiel, bei dem nicht nur Elises neue Identität, sondern auch das Leben ihrer Familie auf dem Spiel steht. Zwischen den historischen Mauern der Grenzregion und den dunklen Schatten der Spionage-Vergangenheit entfaltet sich ein Noir-Thriller, der Regionalkenntnisse mit internationaler Spannung verbindet.

„Steine der Our“ ist bereits der zweite Band meiner erfolgreichen Grenzland-Serie und zeigt einmal mehr, dass die ruhige Eifel alles andere als langweilig ist. Die Leser lieben die authentische Darstellung unserer Region gepaart mit cleveren Wendungen und psychologischer Tiefe.

Steine der Our- Hier geht es zum Buch

Grenzland- Noir

Kein Licht, kein WLAN, kein gar nichts – außer meinem Handy, das sich tapfer am Netz festklammert. Während der Laptop schweigt und das Internet Pause macht, lade ich mein Buch per Mobilfunk hoch. Improvisation ist alles. Immerhin: Der Gasherd funktioniert. Es gibt Spiegelei im Kerzenschein – Literatur und Ei, analog serviert. Willkommen im Grenzland.

Achtung der Begriff : Grenzland/ Noir ist geschützt.

Die Begriffserklärung findet ihr im neuen Buch

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KI, Marge & Manuskript – warum ich umdenke

KI, Marge & Manuskript – warum ich umdenke

Blogbeitrag:

Es gibt Entscheidungen, die trifft man nicht aus Euphorie, sondern aus Notwendigkeit. In meinem Fall war es die Erkenntnis, dass sich das klassische Veröffentlichen auf Amazon zunehmend ins Absurde verschiebt. Die Marge? So gering, dass selbst passionierte Selbstverleger irgendwann anfangen zu rechnen. Und neu bewerten.

Ich schreibe meine Bücher selbst. Immer. Wort für Wort, Szene für Szene. Keine KI schreibt bei mir mit – weil Stil, Ton, Rhythmus und Haltung nicht delegierbar sind. Was sich allerdings verändert hat: das, was nach dem Schreiben kommt.

Amazon: Viel Sichtbarkeit, wenig Lohn

Lange war Amazon ein Ort der Möglichkeiten. Heute gleicht es mehr einem virtuellen Ramschtisch, auf dem täglich Tausende KI-generierte Inhalte landen. Dass sich darunter auch noch handgemachte Bücher behaupten sollen, grenzt an Optimismus. Die Tantiemen sinken, die Konkurrenz wird gesichtslos, und der Algorithmus belohnt Masse, nicht Klasse. Für Autor:innen, die Qualität bieten, bleibt da oft nur noch Idealismus.

Layout und Lektorat? Neu gedacht.

Früher ging das Manuskript nach dem Schreiben zu einer Lektorin, dann in den Satz. Heute arbeite ich mit Affinity Publisher – nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus ökonomischer Vernunft. Für die Korrektur nutze ich ergänzend ein KI-gestütztes Programm, das zuverlässig Kommas zählt, Dopplungen erkennt und Stilbrüche andeutet. Keine Kreativberatung, keine Sprachmagie – aber solide Textarbeit. Und: bezahlbar.

Technik ja – aber bitte im richtigen Moment

Ich bin nicht gegen Technologie. Aber ich entscheide, wann und wo sie zum Einsatz kommt. Meine Geschichten brauchen keine Hilfe beim Erzählen. Was sie brauchen, ist ein Weg zu Leser, der nicht am Konto scheitert. Deshalb denke ich neu. Und handle konsequent.

Vielleicht ist das die eigentliche Herausforderung in der Autorenbranche: nicht zu kapitulieren – sondern klug zu reagieren und vielleicht aufhören zu dürfen, draufzulegen!

Leere

Manchmal fehlt etwas, das gar keinen Namen mehr hat. Kein Ort, an dem man es lassen könnte, kein Wort, das es zurückruft. Es ist nicht mehr da, aber auch nicht fort. Es sitzt einfach zwischen den Tagen. In der Luft. In der Haut.

Vielleicht war es ein Mensch. Vielleicht eine Stimme, eine Hand, die sich einmal in deine gelegt hat. Vielleicht ein Geruch, den du dachtest vergessen zu können. Oder nur dieser Blick, der dich meinte, als du ihn noch nicht erwartet hattest.

Und dann ging er. Oder sie. Oder das Gefühl.

Das Schlimmste ist nicht der Abschied. Nicht das letzte Wort, nicht der Moment, in dem eine Tür fällt oder ein Herz innehält. Es ist das Danach. Dieses leise, andauernde Danach, das in Gesprächen wohnt, die nicht mehr stattfinden. In Räumen, die sich anders anfühlen, weil jemand fehlt, der sie nie betreten hat.

Menschen verschwinden auf leisen Sohlen. Manchmal mit Knall, manchmal ganz ohne Geräusch. Und sie lassen etwas zurück, das bleibt. Schmerz? Vielleicht. Aber auch ein Schattenriss von etwas Schönem. Etwas, das einmal war.

Es ist seltsam, wie man jemanden vermissen kann, der längst ein anderer ist. Oder jemand, der nie wirklich gehörte. Man vermisst nicht nur die Berührung, nicht nur das gemeinsame Lachen oder den Rhythmus, der für eine Weile stimmte. Man vermisst sich selbst, wie man war, wenn der andere da war.

Verlust ist nicht das Ende von Nähe. Es ist ihr Echo.

Es hallt.

Und wenn es still genug wird, in einem selbst- kann man es hören.

Mamas Herz

Es gibt Momente, in denen die Technik versagt. Und andere, in denen sie etwas festhält, das längst vorbei ist.

Vor ein paar Tagen habe ich meinen Hund verloren. Es war ein schwerer Abschied, einer, den ich kommen sah und trotzdem nicht fassen konnte. Wir waren gemeinsam beim Tierarzt – der letzte Weg, wie man so sagt. Ich hatte ihn bei mir, in meiner Tasche den AirTag, den er sonst immer am Halsband trug. Nur zur Sicherheit. Man weiß ja nie.

Ich war dabei, der AirTag auch. Das Datum, die Uhrzeit, der Ort: alles exakt gespeichert. Ein letztes Lebenszeichen. Danach: nichts mehr.

Seitdem zeigt das Gerät keine neue Position mehr an. Es ist nicht offline, nicht leer, nicht defekt. Es liegt in meiner Tasche, verbunden, aktiv. Ich habe es getestet. Und doch bleibt die Anzeige stehen – eingefroren auf jenem Moment, an dem mein Hund ging. Als hätte das kleine Gerät beschlossen, dass dies der letzte gültige Ort war. Der letzte Punkt auf der Karte, den es markieren will.

Ich habe alles probiert. Neustart. Neu gekoppelt. App gelöscht, neu installiert. Andere Geräte ausprobiert. Der AirTag funktioniert – und gleichzeitig tut er es nicht. Es ist, als würde er sich weigern, weiterzugehen.

Vielleicht ist es Zufall. Ein technischer Fehler. Ein Bug, der sich ausgerechnet in diesen Moment eingeschlichen hat. Vielleicht auch nicht.

Ich habe lange überlegt, ob ich das aufschreiben soll. Es ist nur ein Gerät. Aber es fühlt sich an wie ein Zeichen. Als hätte etwas beschlossen: Bis hierhin. Weiter musst du allein.

Technik speichert Daten. Aber manchmal, ganz selten, speichert sie auch eine Geschichte. Und manchmal, da bleibt sie genau da stehen, wo etwas Wesentliches aufgehört hat.

Ein kleiner weißer Punkt auf der Karte. Ich sehe ihn an. Und weiß: Ich kann weitergehen. Aber der AirTag nicht.

Gedanken

Manchmal kommt es mir vor, als würde sich im Zentrum dieser Welt eine schwere, perfekt verdichtete Metallkugel drehen. Unaufhaltsam. Hart, massiv, autonom in ihrer Bewegung. Sie rattert nicht, sie rotiert. Und das mit einem inneren Druck, der keinen Widerstand kennt. Umhüllt ist sie von etwas Kostbarem – einer dünnen Kristallhaut. Schimmernd, klar, fast schön. Edel. Selten. Und zugleich so zerbrechlich, dass man den Atem anhält, wenn das Dröhnen im Inneren zu laut wird.

Diese Kristallhaut – sie ist mehr als bloßer Schutz. Sie ist Erinnerung. An Natur, an Zusammenhang, an Stille. An eine Welt, in der Technik noch Mittel war, nicht Zentrum. Doch sie wird dünner. Der Glanz bekommt Haarrisse, wo früher Verbindung war. Und das, was sich im Inneren aufschaukelt, kennt kein Maß. Keine Pause. Kein Zurück.

Ich beobachte, wie wir immer weiter in diese Schieflage geraten. Die Maschinen denken schneller als wir. Die Algorithmen strukturieren, was wir fühlen. Und das Natürliche – das, was nicht codiert, nicht quantifiziert, nicht berechnet werden kann – wird zur Dekoration. Zur Staffage. Zur Projektionsfläche unserer Sehnsucht nach etwas, das wir längst überholen.

Die Technik gewinnt. Und doch ist es ein Pyrrhussieg, denn sie siegt nicht gegen einen Gegner, sondern gegen ihr eigenes Fundament: den Zusammenhang, in dem sie entstanden ist. Die Haut reißt. Nicht plötzlich, nicht dramatisch. Aber mit jedem neuen Update, das wir für Fortschritt halten.

Ich will nicht zurück in die Höhle. Ich will nur wissen, wer noch den Zustand der Kristallhaut beobachtet. Wer noch hört, wenn es knackt. Wer den Mut hat, nicht weiterzudrehen, nur weil es möglich ist.

Vielleicht beginnt Zukunft nicht im Kern, sondern an der Hülle.

Kein Zucker

Kein Zucker, kein Halt – eine Begegnung, die bleiben sollte

Ich wollte nur ein Moped kaufen. Drei Porsche standen im Hof, nebeneinandergestellt wie Mahnmale einer besseren Zeit. In der Garage zwei Vespa. Dahinter ein Haus, das kaum noch lebte.

Drinnen eine Frau mit Kind auf dem Arm, zwei weitere auf dünnen Beinen hinter ihr. Keine Möbel, kein Kaffee, kein Zucker. Die Luft kalt, die Stimmung angekratzt. Die Frau müde bis in die Schultern, fahrig, gereizt, ganz allein mit allem.

Er war noch da, als ich kam. Zeigte mir das Motorrad, redete wenig. Freundlich, erschöpft. Ein Mann, der mal mehr war. Der jetzt nur noch verkauft. Das Motorrad. Wahrscheinlich auch die Möbel. Dann verschwand er.

Sie blieb. Allein in einem Haus, das zu groß ist für den Zustand, in dem sie lebt. Drei Kinder, kaum noch Ordnung, keine Kraft für den Rest.

Ich hätte etwas sagen sollen. Nicht als Vorwurf. Nicht als Einmischung. Sondern als Warnung.

Dass das hier nicht gut endet. Dass drei Kinder nicht tragen können, was zwei Erwachsene loslassen. Dass es mehr braucht als Durchhalten, mehr als Stolz.

Der fehlende Zucker war kein Detail. Er war ein Zeichen. Dafür, dass nichts mehr da ist, was Halt gibt. Keine Nähe. Keine gemeinsame Richtung. Kein Netz, das sie noch trägt.

Er zu alt und wollte vielleicht höchstens ein Kind. Überfordert mit der Situation, seiner Lebensvorstellung. Er hatte Möbel und Couch schon abtransportiert. Vielleicht in sein neues Leben. Die Kinderkleidung und ihre Sachen hingen im Gästeklo.

Sie versucht, es allein zu schaffen. Aber das reicht nicht. Nicht auf Dauer.

Ich kenne diesen Zustand. Ich habe ihn erlebt, gerochen, gespürt. Ich weiß, wie schnell aus einem Tag Erschöpfung ein Jahr wird. Wie still das Chaos werden kann, wenn niemand mehr fragt.

Ich hätte es ihr sagen sollen. Dass jetzt der Moment ist, in dem man aufwacht. Nicht später. Nicht wenn die Kinder traurig werden. Nicht wenn nichts mehr zu verkaufen bleibt.

Man darf das nicht laufen lassen. Nicht so. Nicht, wenn kleine Menschen mit drin hängen. Auch wenn es der Egotrip eines Mannes ist, der tausend „gute Gründe“ hätte- Leben zu zerstören ist nicht zu entschuldigen.

Heute bist Du gegangen

Heute Morgen warst du noch da.

Mit diesem Blick, der alles verstand, ohne viele Worte.

Mit dem leichten Schnaufen, wenn du dich auf deinen Lieblingsplatz gelegt hast.

Mit dem kleinen Rest Energie, den du für mich aufgehoben hattest.

Und dann kam der Moment, den ich seit Jahren fürchtete.

Leise, würdevoll, ganz du.

Du hast mich so viele Jahre begleitet.

Warst mein Schatten, mein Trost, mein Lachen im Regen.

Ein Hund. Sagen sie.

Für mich: ein Freund. Familie. Vertrauter. Für uns: unser Leben.

Jetzt ist dein Napf leer. Und mein Herz voller Dank.

Für jede Stunde. Jeden Blick. Jedes still geteilte Gefühl.

Geh gut, mein Hund.

Ich werde dich nie vergessen.

Warum ich um 20 Uhr schon abschalte…

Das Leid der Menschen – auf beiden Seiten – berührt mich tief. Doch es wird instrumentalisiert. Was nicht ins Narrativ passt, wird weggeschnitten. Dass es um Geld geht, um Macht, um die Waffenindustrie und seltene Erden – wird kaum erwähnt. Der Zuschauer wird für dumm verkauft und manipuliert.

Statt Aufklärung gibt es Ablenkung. Statt Wahrheit: Meinung in Dauerschleife.

Ich will nicht abstumpfen vor Bildern, die nur Teil eines Drehbuchs sind. Ich will keine Empörung, die gelenkt wird. Keine Informationen, die halbe Wahrheiten sind.

Darum schalte ich ab. Nicht aus Ignoranz. Sondern aus Klarheit.