Es ist 6:30 Uhr morgens. Der Wecker klingelt, aber ich bin schon wach – seit einer Stunde liege ich hier und denke über die To-Do-Liste nach, die heute wieder endlos lang sein wird. Während ich mich aus dem Bett schäle, höre ich bereits Musik aus dem Teenagerzimmer – oder ist es schon wieder Streit am Handy? Der Tag beginnt, und mit ihm beginnt das Kämpfen an verschiedenen Stellen.
Der Kampf als Mutter von Teenagern
Als Mutter von Teenagern kämpfe ich täglich gegen die Stimme in meinem Kopf, die mir sagt, dass ich versagt habe. Dass ich die wichtigsten Jahre verpasst habe, die entscheidenden Gespräche nicht geführt habe, die richtigen Grenzen nicht gesetzt habe. Ich kämpfe gegen die Hilflosigkeit, wenn mein Kind mit Problemen zu mir kommt, die ich nicht lösen kann.
Ich kämpfe gegen die Angst vor der Zukunft – wird mein Kind den richtigen Weg finden? Habe ich genug Selbstbewusstsein vermittelt? Genug Werte? Genug Liebe? Ich kämpfe gegen die Verzweiflung, wenn aus liebevollen Gesprächen plötzlich Türenknallen wird, wenn aus “Mama, ich erzähl dir alles” ein “Du verstehst mich sowieso nicht” wird.
Ich kämpfe gegen die Einsamkeit, die entsteht, wenn das Kind, das früher in meine Arme gerannt ist, jetzt lieber mit Freunden Zeit verbringt. Gegen die Angst, nicht mehr gebraucht zu werden, aber gleichzeitig gegen die Sorge, loslassen zu müssen, bevor ich bereit bin.
Und dann kämpfe ich gegen die Tränen, wenn mein Teenager nach einem schweren Tag doch noch zu mir kommt und sagt: “Mama, gut dass du da bist” – weil ich weiß, dass ich es trotz allem richtig mache, auch wenn es sich nicht immer so anfühlt.
Der Kampf als Frau
Als Frau kämpfe ich gegen die Erwartungen einer Gesellschaft, die mir sagt, ich müsse alles sein: erfolgreich im Beruf, perfekt als Mutter, attraktiv als Partnerin, organisiert als Hausfrau. Ich kämpfe gegen den Druck, immer gut auszusehen, auch wenn ich drei Stunden geschlafen habe.
Ich kämpfe gegen die Stimmen, die mir sagen, dass meine Bedürfnisse weniger wichtig sind als die aller anderen. Gegen die Tendenz, mich selbst hintenanzustellen, bis nichts mehr von mir übrig ist. Gegen die Müdigkeit, die so tief sitzt, dass ein Wochenende sie nicht wegspülen kann.
Ich kämpfe dafür, meine eigene Stimme zu hören zwischen all den anderen Stimmen, die mir sagen, was ich tun soll, wie ich sein soll, was ich erreichen soll.
Der Kampf als Freundin
Als Freundin kämpfe ich gegen die Zeitnot. Gegen die Schuldgefühle, wenn ich Wochen brauche, um eine Nachricht zu beantworten. Gegen die Angst, meine Freundschaften zu vernachlässigen, während ich versuche, alle anderen Bälle in der Luft zu halten.
Ich kämpfe gegen das Gefühl, nicht mehr interessant zu sein, weil sich meine Gesprächsthemen nur noch um Teenager-Drama, Schulstress und die Sorgen um die Zukunft meiner Kinder drehen. Gegen die Einsamkeit, die entsteht, wenn man sich von seinen Freunden entfernt fühlt, deren Kinder noch klein sind oder die keine Kinder haben – deren Leben so anders geworden ist.
Und ich kämpfe dafür, diese Verbindungen zu erhalten, die mich daran erinnern, wer ich jenseits meiner Rollen bin.
Der Kampf als Geliebte und Partnerin
Als Partnerin kämpfe ich gegen die Erschöpfung, die jede Romantik erstickt. Gegen die Routine, die aus der großen Liebe einen Zweckverband macht. Gegen die Tatsache, dass Gespräche über Teenager-Probleme, Geld und Termine die intimen Momente verdrängen.
Ich kämpfe gegen das schlechte Gewissen, wenn ich keine Lust auf Intimität habe, obwohl ich weiß, dass auch mein Partner Bedürfnisse hat. Gegen die Angst, dass wir uns als Paar verlieren, während wir als Eltern von Teenagern funktionieren – eine Zeit, in der wir uns oft hilfloser fühlen als je zuvor.
Und ich kämpfe dafür, dass aus uns wieder “wir” wird – nicht nur “die Eltern von” oder “die, die sich Sorgen machen”.
Die Wahrheit über das Kämpfen
Die Wahrheit ist: Ich bin müde. Müde vom Kämpfen, müde vom Funktionieren, müde davon, allen gerecht werden zu wollen. Manchmal möchte ich einfach nur sein, ohne kämpfen zu müssen. Ohne Performance, ohne Optimierung, ohne die ständige Angst, nicht zu genügen.
Aber ich habe auch gelernt: Das Kämpfen gehört dazu. Es ist nicht das Zeichen dafür, dass ich etwas falsch mache. Es ist das Zeichen dafür, dass ich lebe. Dass ich liebe. Dass mir die Menschen in meinem Leben wichtig sind.
Was mir hilft?
An manchen Tagen hilft es mir, das Kämpfen als das zu sehen, was es ist: ein Zeichen meiner Stärke. Jeder Kampf, den ich kämpfe, ist ein Beweis dafür, dass ich nicht aufgebe. Dass ich bereit bin, für das zu kämpfen, was mir wichtig ist.
Manchmal hilft es auch, die Kämpfe zu priorisieren. Nicht jeden Tag an allen Fronten kämpfen zu müssen. Manchmal reicht es, eine gute Mutter zu sein. Manchmal reicht es, eine liebevolle Partnerin zu sein. Manchmal reicht es, einfach nur zu überleben.
Und manchmal hilft es, ehrlich zu sein. Zu sagen: “Ich kämpfe gerade” – zu mir selbst und zu anderen. Denn in dieser Ehrlichkeit liegt eine Befreiung. Die Befreiung von der Erwartung, perfekt zu sein.
An alle, die auch kämpfen:
Falls du das hier liest und dich erkennst: Du bist nicht allein. Wir alle kämpfen an verschiedenen Stellen. Wir alle haben Tage, an denen wir uns fragen, ob wir genug sind. Die Antwort ist: Ja, du bist genug. Auch wenn es sich nicht so anfühlt.
Dein Kampf ist valid. Deine Müdigkeit ist berechtigt. Deine Zweifel sind menschlich. Und deine Stärke, trotz allem weiterzumachen, ist bewundernswert.
Wir müssen nicht perfekt sein. Wir müssen nur menschlich sein. Und das bedeutet: kämpfen, fallen, wieder aufstehen – und dabei wissen, dass wir es wert sind, geliebt zu werden, genauso wie wir sind.
Was sind eure Kämpfe? Schreibt mir gerne in die Kommentare – manchmal hilft es, zu wissen, dass man nicht allein kämpft.