Es beginnt harmlos. Man will nur kurz den Kaffee umrühren – und bleibt plötzlich wie angewurzelt stehen. Irgendetwas hat sich festgehakt im Kopf, ein Satz, ein Blick, ein falscher Ton. Kein Drama, nichts Weltbewegendes. Aber da ist es: dieses Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Oder vielleicht doch. Oder auch nicht. Herumdenken eben.
Man sitzt da, kaut auf Gedanken, die gar keine Pointe haben wollen. Zieht logische Fäden durch ein Geflecht aus Gefühl, Vergangenheit und dem, was man eventuell zu viel hineininterpretiert hat. Man ist auf der Suche nach dem Punkt. Dem Grund. Dem Warum. Aber alles bleibt verschwommen wie ein Fenster im Regen.
Und das Verrückte daran:
Je länger man denkt, desto weniger weiß man, warum man eigentlich denkt.
War es das Gespräch gestern? Der Satz zwischen den Zeilen? Der unausgesprochene Vorwurf im Lächeln eines Fremden?
Oder ist es einfach nur der Tag, der zu still ist – und man selbst zu wach?
Herumdenken ist kein Hobby. Es ist ein Zustand.
Man will raus aus dem Gedankenkarussell, aber hat vergessen, wo der Ausgang war. Stattdessen denkt man in Schleifen, analysiert, verwirft, deutet um. Und irgendwann – Stunden oder Tage später – merkt man:
Es war nichts. Oder es war alles. Nur nicht greifbar.
Vielleicht braucht es genau das: Ein bisschen Gedankenrauschen, damit sich das Wichtige wieder sortieren kann. Vielleicht ist Herumdenken gar kein Zeichen von Unsicherheit, sondern eine Art innerer Frühjahrsputz – mit ungeplantem Anfang und keinem festen Ende.
Und wenn nicht? Dann auch gut.
Denn manchmal reicht es, einfach zu denken.
Ohne wissen zu müssen, warum.
