Mister Sachte

Er ist schüchtern. Nicht dieses „ich tu so“-schüchtern, sondern die echte Sorte: leise, konzentriert, unaufgeregt. Einer, der nicht mit Worten um sich wirft, als wären sie Konfetti. Und gerade deshalb bleibt alles, was er doch sagt – oder nicht sagt – irgendwo hängen. Tiefer, als es höflich wäre.

Ich bewundere ihn. Und ich meine nicht dieses oberflächliche Bewundern, das man Menschen schenkt, die gut aussehen, gut riechen und im richtigen Licht stehen. Ich meine das stille, fast altmodische Verehren, bei dem man sich ertappt, wie man plötzlich aufmerksamer wird, sobald der Raum ein kleines bisschen anders klingt. Als hätte jemand die Welt kurz auf „klar“ gestellt.

Es ist diese Zärtlichkeit, die nicht gemacht wirkt. Nicht geschniegelt, nicht einstudiert, nicht „ich habe mal gelesen, Frauen mögen…“. Sondern diese kleine, feine Aufmerksamkeit, die man nicht kaufen kann: ein Blick, der nicht über dich hinweggeht. Eine Stimme, die nicht drängelt. Eine Ruhe, die sich nicht wichtig macht. Und plötzlich denkt man: Ach. So fühlt sich Respekt an, wenn er nicht nach Business aussieht.

Ich habe es ihm nie gesagt. Natürlich nicht. Weil ich ja nicht komplett den Verstand verloren habe. (Nur so ein bisschen, an den Stellen, wo man wieder menschlich wird.) Man sagt nicht einfach: „Du berührst mich im Innersten.“ Man sagt: „Danke, dass Sie sich Zeit genommen haben.“ Man nickt, man hält sich an Regeln, man spielt Erwachsensein.

Aber innerlich läuft ein zweites Gespräch. Ein zärtliches, ein heimliches.

In dem zweiten Gespräch würde ich sagen:

Dass ich mich sicher fühle, wenn er da ist.

Dass seine Schüchternheit nicht Abstand schafft, sondern Nähe – weil sie ehrlich ist.

Dass seine Hände nicht nur „fähig“ sind, sondern behutsam.

Dass er dieses seltene Talent hat, einen Menschen zu behandeln, ohne ihn zu verkleinern.

Und dann würde ich wieder leiser werden. Nicht aus Feigheit. Eher aus Ehrfurcht. Weil manche Gefühle zu schön sind, um sie sofort in die Welt zu stellen wie ein Schild.

Vielleicht ist es genau das: Man begegnet manchmal Menschen, die einen nicht mit großen Gesten beeindrucken, sondern mit der Art, wie sie in kleinen Momenten bleiben. Wie sie nicht eilen, wenn du innerlich noch nicht nachkommst. Wie sie nicht übertönen, was in dir leise ist.

Und dann passiert etwas Seltsames: Du erwischst dich dabei, wie du dir wünschst, die Zeit würde kurz langsamer laufen. Nur ein bisschen. Dass es noch einen Satz mehr gäbe. Noch einen Blick. Noch diese eine Sekunde, in der die Welt nicht laut ist, sondern sanft.

Denn es ist nicht nur Bewunderung. Es ist dieses warme Ziehen, das nicht nach Drama schmeckt, sondern nach Ruhe. Nach: Da ist jemand, der mit dir umgehen kann, ohne dich zu zerreden. Da ist jemand, bei dem du nicht besser sein musst, um ernst genommen zu werden. Da ist jemand, der dir – ohne ein einziges großes Wort – das Gefühl gibt, dass du genau so, wie du gerade bist, richtig bist.

Ich verehre ihn, ohne es ihm je gesagt zu haben. Und vielleicht ist das sogar gut so. Manche Dinge bleiben schöner, wenn sie nicht gleich in Sprache gepresst werden. Wenn sie erst mal nur im Herzen wohnen dürfen, wie ein Licht in einem Fenster, das man nicht ausschalten will.

Und wenn ich mir am Ende erlaube, einen einzigen romantischen Gedanken zu denken, dann ist es dieser:

Vielleicht sind es nicht die lauten Geschichten, die uns verändern, sondern die leisen. Die, in denen jemand nichts verspricht – und trotzdem etwas in dir heilt, das du gar nicht als Wunde erkannt hattest.

Und vielleicht ist das die zärtlichste Form von Nähe:

Wenn jemand dich ansieht, als wärst du nicht „ein Fall“, nicht „ein Termin“, nicht „die Nächste“, sondern einfach… ein Mensch.

Einer, den man behutsam behandelt.

Einer, bei dem man unwillkürlich weicher wird.

Und jetzt kommt der Teil, der das Ganze endgültig absurd macht:

Er ist mein Chirurg. 🙂

Die deutsche Mediale Sorgfaltspflicht

Ich sitze hier in Ostbelgien, schaue rüber nach Deutschland – und denke mir bei den jüngsten KI-Fake-News-Nummern rund um den Öffentlich-Rechtlichen: wundert mich nicht. Nicht, weil da jemand im Keller an der großen Lügenmaschine kurbelt, sondern weil das System inzwischen so gebaut ist, dass so ein Ding irgendwann passieren musste.

Das Problem ist nicht „KI“. Das Problem ist Tempo, Eitelkeit und Bilderhunger. Alles muss sofort raus, am besten mit Wumms, am besten mit Belegvideo, am besten so, dass es sich anfühlt wie Wahrheit. Und genau da wird’s gefährlich: Bilder sind inzwischen keine Belege mehr, sondern Requisiten. Wenn’s ins Narrativ passt, wird’s genommen. Wenn die Kennzeichnung fehlt oder irgendwo klein im Eck verschwindet – tja, dann hast du den Salat. Und beim ÖRR ist die Fallhöhe eben nicht „ups“, sondern „ihr wollt Qualitätsinstanz sein – dann benehmt euch auch so“. Fehler passieren. Aber wer sich vom Publikum bezahlen lässt, weil er angeblich genauer arbeitet als alle anderen, kann sich nicht gleichzeitig leisten, bei der Grundlage zu schludern: Ist das echt oder ist das Theaterkulisse?

Was mich dabei viel mehr irritiert: Während Deutschland sich an solchen Themen festbeißt, hörst du in Belgien und Luxemburg im Alltagsrauschen vergleichsweise wenig über einzelne ICE-Zwischenfälle, Auffälligkeiten, Eskalationen – zumindest nicht in dieser Dauerbeschallung. Dabei gibt es in den USA genug Stoff, der objektiv Nachrichtenwert hat. Aber hier drüben kommt oft nur der grobe Rahmen an: „Trump fährt harte Linie“, Ende der Durchsage. Und dann geht’s weiter mit EU-Themen, Pendler-Realität, Energie, Kaufkraft, Innenpolitik. Punkt.

Und dann scrollst du weiter und Luxemburg so: „Wie gefährlich sind die Eifelvulkane vor Luxemburgs Haustür?“

Haustür. Nicht Europa. Nicht „Region“. Nicht „wir sitzen alle auf demselben Basalt“. Nein: Haustür.

Ich meine das nicht mal böse – ich finde es eher entlarvend ehrlich. Luxemburg ist klein, reich, geschniegelt, und es hat diese Mentalität von: Erst mal gucken, was das für uns konkret bedeutet. Für unser Grundstück. Für unseren Alltag. Für unsere Versicherungen. Das ist nicht Angst, das ist Ordnungssinn mit Maßband. Und irgendwo auch Nationalstolz – nur nicht der große Fahnen-Stolz, eher so der stille: Wir haben hier was aufgebaut, das bleibt bitte heil. Punkt.

In Deutschland dagegen wird oft schon beim Lesen der Überschrift ein Grundsatzkrieg draus. Da ist selbst ein Vulkan sofort Symbol, Systemfrage, Haltungstest. Erst wird die Empörung warmgelaufen, dann kommt die Einordnung – wenn überhaupt. Luxemburg macht’s anders: erst die Haustür, dann der Rest der Welt. Andere Denkweise, andere Prioritäten. Und Belgien? Belgien wirkt oft wie: Wir schauen mal, was die Nachbarn machen, und wenn’s wirklich wichtig wird, reden wir drüber – bis dahin gibt’s Fritten und Verwaltung.

Und genau deshalb wundert mich dieses KI-Fake-News-Durcheinander beim deutschen Öffentlich-Rechtlichen nicht. Weil hier alles gern groß, wichtig und „wir ordnen ein“ klingt – während die Basis, nämlich stimmen die Bilder überhaupt, manchmal behandelt wird wie Fußnote. Luxemburg würde da wahrscheinlich sehr luxemburgisch sagen: „Moment. Ist das echt? Und wenn ja: betrifft’s uns?“ Und ehrlich – manchmal wäre das die gesündere Reihenfolge.

Am Ende ist es vielleicht gar kein „Skandal“, sondern schlicht ein Symptom: Deutschland redet gern im Weltformat, Luxemburg misst erst mal die Haustür aus, Belgien zuckt mit den Schultern – und irgendwo dazwischen hat der ÖRR vergessen, dass Vertrauen nicht aus Haltung entsteht, sondern aus Sorgfalt.

Nicht gut

Ich werde längere Zeit nicht laufen können und finde sämtliche Stricknadeln nicht. Wolle auch weg.

Katastrophe.

Ein ganzes Set von Prym aus schönem Holz. Einfach verloren beim Umzug. Die Wolle hat jmd Unwissender entsorgt, dass habe ich nun rausgefunden. So ein Schitt. Ich war so wütend.

Ich versuche mich abzulenken, um nicht durchzudrehen. Stricken ist da immer eine gute Sache. Nur ohne Nadeln …

Mein Fuß muss operiert werden.

Ich habe Angst, denn das Spiel kenne ich von meinem Arm. Einfach nicht gut.

Vierzehn Minuten nach …

Es ist Mittag. Ich warte auf ein dringendes Paket Druckerpatronen von Amazon, die hier wirklich nicht zu finden waren.

WhatsApp vom Gott der Pakete: „Salut Kunde-Frau! Ich heute Paket für Dich, aber schon Donnerstag, komme erst Dienstag wieder in Dein Dorf! Ca- va!“

Ohne Worte und zum Nachdenken auch nicht.

Promis und Politik

Es gibt Dinge, die will ich wirklich nicht wissen.

Zum Beispiel: Welche Schauspielerin „jetzt endlich Haltung zeigt“, welcher Musiker „nicht mehr schweigen kann“ und welcher Influencer „seine Plattform nutzt“, um mir zu erklären, wie die Welt zu funktionieren hat.

Leute. Ich wollte eigentlich nur sehen, ob ihr einen Ton trefft. Oder ein Licht. Oder einen Refrain.

Nicht ob ihr euch morgens politisch korrekt eincremt.

Links sein als Markenparfum

Ich habe nichts dagegen, wenn jemand links ist. Wirklich nicht.

Ich habe was dagegen, wenn es sich anfühlt wie eine Werbekampagne: „Neu! Jetzt mit Moral! 30 % mehr Gutmensch pro Sprühstoß!“

Diese öffentliche Links-Inszenierung kommt inzwischen so zuverlässig wie Adventskalender im September:

Story mit ernster Miene Hashtag-Kette und irgendwo dazwischen ein Satz, der klingt wie aus einem PR-Handbuch: „Es ist wichtig, dass wir jetzt zusammenstehen.“ Ja, klar. Zusammenstehen. Vor allem in eurem Feed.

Können die ihre Meinung nicht einfach behalten?

Können sie.

Aber dann fehlt eben der Applaus.

Denn das ist der Deal: Haltung posten = Zugehörigkeit sichern.

Du sagst die richtigen Dinge, in der richtigen Tonlage, mit der richtigen Empörung. Und zack: du bist wieder „auf der richtigen Seite“.

Wie praktisch, dass man dafür nichts anstrengend Reales tun muss. Kein Risiko. Kein Streit. Nur Content.

Warum tun die das überhaupt?

Weil es sich lohnt. Punkt.

Reichweite: Empörung ist der Treibstoff. Image: Haltung ist das neue Bio-Siegel. Karriere: In manchen Branchen ist „links sichtbar“ inzwischen wie ein Türschild: Hier wohnt ein guter Mensch, bitte fördern. Absicherung: Wer mitsingt, wird seltener ausgebuht. Wer schweigt, gilt schon als verdächtig.

Und nein, das ist nicht „Mut“. Mut wäre, Dinge zu sagen, die nicht sowieso Beifall bekommen.

Das Nervige ist nicht die Politik – sondern die Predigt

Was mich wirklich aggressiv macht, ist dieser unterschwellige Ton:

„Ich erkläre euch jetzt mal die Welt, weil ich berühmt bin.“

Berühmtheit ist halt keine Zusatzqualifikation in Staatsrecht.

Nur weil jemand in einer Serie glaubwürdig eine Ärztin spielt, kann er trotzdem bei „Grundgesetz“ schon bei Artikel 1 kurz müde werden.

Und jedes Mal, wenn jemand sagt „Ich nutze meine Plattform“, höre ich eigentlich:

„Ich nutze eure Aufmerksamkeit.“

Danke für die Ehrlichkeit.

Mein Umgang damit (sehr demokratisch, sehr friedlich)

Ich mache es so:

Entfolgen. Ohne Diskussion, ohne Abschiedsbrief. Werk ja, Belehrung nein. Ich konsumiere keine Weltanschauung im Bundle. Ich höre lieber Menschen zu, die echte Konsequenzen tragen. Also nicht: „Ich poste“, sondern: „Ich entscheide, ich hafte, ich werde gewählt, ich werde kritisiert und kann nicht einfach ins nächste Sponsoring flüchten.“

Am Ende ist es simpel:

Ihr dürft euch politisch äußern. Natürlich.

Und ich darf es trotzdem unerquicklich finden, wenn es sich anfühlt wie ein moralischer Werbespot zwischen zwei Selfies.

Ich bin da ganz altmodisch:

Wenn ich schon Werbung bekomme, hätte ich gern wenigstens einen Rabattcode!

Das Bein als Endgegner

Man denkt ja immer, ein Beinbruch sei so etwas wie ein medizinisches Ereignis. Unfall, Gips, Krücken, ein bisschen Netflix, Ende. Ein Kapitel, das man im Kalender abhakt wie „Zahnarzt, 11:30“.

Dann bricht man sich ein Bein – und merkt: Das ist kein Kapitel. Das ist ein Systemupdate. Und zwar eins, das niemand gefragt hat.

Plötzlich ist das Bein nicht einfach ein Bein. Es ist die zentrale Schaltstelle für alles, was im Leben stillschweigend funktioniert hat: Türen auf, Müll raus, Holz rein, Auto wegbringen, kurz zum Bäcker, einmal eben nach dem Rechten sehen. All diese „einmal eben“-Sachen, die im Alltag keine Bühne bekommen, weil sie niemanden interessieren – bis sie wegfallen.

Und dann fällt natürlich nicht nur das Bein aus.

Natürlich ist gleichzeitig ein Trauerfall in der Familie. Natürlich. Denn das Leben hat Humor, aber nicht diese freundliche Sorte, eher so: trocken, schwarz, mit einem Lächeln, das man nicht sehen will. Trauer braucht eigentlich Raum, Zeit, Stille. Sie braucht Hände, die tun dürfen, was sie tun: aufräumen, tragen, sich kümmern, sich ablenken, wieder zusammenbrechen, wieder weitermachen.

Nur: Man sitzt da. Und man merkt, wie absurd es ist, wenn der Körper gerade keine Mitarbeit anbietet. Als hätte jemand den Stecker gezogen und man müsste nun gefälligst „emotional arbeiten“, ohne die gewohnte Flucht in Bewegung. Trauer ohne Gang zum Friedhof, ohne Besuch, ohne „ich fahr schnell hin“. Trauer mit Krücken ist eine besonders gemeine Variante, weil sie einem jede Würde wegnimmt, die man sich sonst heimlich über Aktivität zusammenbaut.

Und während man noch versucht, überhaupt zu verstehen, dass ein Mensch weg ist, fällt einem ein: Das Auto ist auch im Eimer.

Natürlich.

Das Auto ist ja nicht nur Auto. Das Auto ist Freiheit, Versorgung, Logistik, Notfallplan. Das Auto ist der Unterschied zwischen „Ich kümmere mich“ und „Ich schreibe Nachrichten und hoffe, dass jemand antwortet“. Und wenn das Auto kaputt ist, fühlt sich der Beinbruch plötzlich an wie ein schlecht geschriebenes Escape-Room-Spiel: Man braucht Schlüssel A, um Tür B zu öffnen – aber Schlüssel A liegt hinter Treppe C, und Treppe C ist seit dem Beinbruch offiziell nicht mehr in Ihrem Tarif enthalten.

Und dann, als wäre es nicht schon ausreichend symbolisch, ist kein Holz mehr vor der Tür.

Kein Holz.

Oder fast schon ergänzend zu einer echten Symbolik für : Ein funktionierendes Auto mit Anhängerkupplung um das Holz abzuholen, denn mein Händler liefert nicht!

Dieser Satz – kein Holz- klingt harmlos, bis man ihn wirklich lebt. Kein Holz heißt: Kälte wird nicht nur Temperatur, sondern Stimmung. Kein Holz heißt: Man spürt plötzlich die Physik des Lebens. Man spürt, dass Wärme Arbeit ist. Dass Dinge nicht von alleine auftauchen, auch nicht in einem Haus, das man seit Jahren bewohnt. Dass ein paar Meter vom Holzstapel zur Tür eine Distanz sind, die man früher nicht mal gedacht hat – und die jetzt eine Grenze ist, wie eine Zollstation mitten im Flur: „Weiter nur mit funktionierendem Bein.“

Man sitzt also da und denkt: Gut. Dann eben Plan B.

Und hier kommt das Problem: Plan B ist in Wahrheit „Menschen“.

Plan B heißt fragen. Plan B heißt anrufen. Plan B heißt zugeben, dass man gerade nicht kann. Und das ist für viele schlimmer als Schmerzen. Nicht, weil man keine Menschen hat – sondern weil man sich selbst so lange beigebracht hat, dass man nicht zur Last fällt. Dass man sich „organisiert“. Dass man durchhält. Dass man irgendwie alles im Griff hat, solange man laufen kann.

Das Bein ist in dieser Geschichte nicht der Nebendarsteller. Es ist der Lautsprecher, der im ganzen Haus brüllt: Du bist nicht unabhängig. Du warst es nur in ruhigen Zeiten.

Und ja, man kann das dramatisch finden. Man kann aber auch kurz lachen, weil es so unverschämt stimmt.

Ich meine: Da liegt man, geschniegelt im Bett, mit Schmerzmitteln, mit einem Bein, das sich anfühlt wie ein Betonblock, und das Leben stellt sich daneben wie ein schlecht gelaunter Paketbote: „So. Hier einmal Trauer, einmal Auto kaputt, einmal Holz leer. Unterschrift bitte. Ach so, Sie können nicht aufstehen? Tja.“

Was tut man also?

Man macht – leider – das Einzige, was wirklich hilft. Man wird klein.

Nicht jämmerlich. Nicht rührselig. Sondern pragmatisch klein. Man reduziert. Man sortiert. Man lässt Dinge liegen, die liegen dürfen. Man streicht alles, was nur dem eigenen Anspruch dient, nicht dem Überleben.

Man fragt nach Hilfe, bevor man innerlich in die Wand fährt. Man verteilt Aufgaben, auch wenn es sich anfühlt wie Kontrollverlust. Man akzeptiert, dass Trauer nicht besser wird, nur weil man tapfer ist. Und dass Holz nicht auftaucht, nur weil man es sich „vornimmt“.

Und man wird radikal ehrlich mit dem, was gerade wirklich ist:

Heute ist nicht der Tag, an dem man „alles regelt“. Heute ist der Tag, an dem man den nächsten Schritt schafft, ohne sich selbst zu verlieren. Heute ist der Tag, an dem man nicht beweisen muss, dass man stark ist, sondern dass man noch da ist.

Das klingt jetzt fast vernünftig. Ich weiß. Widerlich.

Also sage ich es lieber so, wie es sich anfühlt:

Man überlebt den Tag nicht durch Heldentum, sondern durch kleine, schmutzige Kompromisse.

Man isst, was da ist. Man wärmt sich, wie es geht. Man nimmt Hilfe an, auch wenn man dabei aussieht wie das Gegenteil von glamourös. Man lässt das Auto im Eimer, bis jemand da ist, der es mit Eimerkompetenz anfassen kann. Man trauert in Pausen. Man trauert in Wellen. Man trauert manchmal auch im falschen Moment, zum Beispiel beim Blick auf die leere Holzecke, weil der Körper offenbar beschlossen hat, alles gleichzeitig zu verarbeiten.

Und irgendwann – nicht heute, nicht morgen, aber irgendwann – merkt man, dass dieses Bein nicht nur verhindert.

Es entlarvt.

Es zeigt einem, wie viel vom Alltag auf unsichtbarer Arbeit basiert. Wie viel davon an einem einzigen Körper hängt. Wie schnell „normal“ verschwindet. Und wie sehr man sich daran gewöhnt hat, alles selbst zu tragen – bis nichts mehr trägt, nicht mal man selbst.

Vielleicht ist das die eigentliche Zumutung: Dass man ausgerechnet in einer Phase, in der man Trost bräuchte, auch noch lernen muss, Hilfe auszuhalten.

Aber gut. Wenn das Leben schon unbedingt mit einem Beinbruch um die Ecke kommen muss, dann wenigstens als ehrlicher Spiegel.

Und falls heute niemand Holz vor die Tür legt, was niemand tun wird.

Dann ist es eben kalt.

Und man bleibt trotzdem hier.

Sechs Wochen Gas. Und dann? Politikversagen zum Raufdrehen

Man liest „Gas reicht nur noch sechs Wochen“ und soll bitte ruhig bleiben. Man soll auch ruhig bleiben, wenn im Auto „Ölstand kritisch“ blinkt. Das Auto fährt ja noch. Und genau das ist das Problem: „Fährt noch“ ist keine Strategie.

Ende Januar 2026 sind die deutschen Gasspeicher ungewöhnlich leer – grob um die mittleren 30 %. Daraus bastelt man diese „sechs Wochen“-Rechnung: Winterverbrauch gegen Speicherinhalt. Das ist kein Weltuntergangs-Countdown. Aber es ist ein ziemlich klares Warnsignal: Der Puffer ist dünn.

Und jetzt wird’s unerquicklich, weil man das nicht mehr mit Wetter wegwischen kann.

Der politische Kernfehler: Man hat den Sicherheitsabstand absichtlich kleiner gemacht

Man muss sich das einmal ohne Nebelmaschine anschauen:

Nach dem Schock 2022/23 hat man Speicherziele als Sicherheitsgurt eingeführt. Das war sinnvoll. Dann kam 2025 die Phase „Wir sind wieder entspannt“ – und die Ziele wurden gesenkt (je nach Speicher/Regelstufe auf Größenordnungen wie 70–80 % zum Start in die Heizsaison statt „so voll wie möglich“).

Das ist die Sorte Entscheidung, die auf dem Papier „Kosten sparen“ heißt und in der Praxis „Risiko nach hinten schieben“. Man spart nicht Geld – man spart Puffer. Und Puffer ist genau das, was man braucht, wenn:

der Winter kälter wird als geplant, der Weltmarkt dreht, LNG-Lieferungen teurer werden oder woanders hingehen, Infrastruktur/Timing nicht perfekt laufen, oder mehrere Dinge gleichzeitig passieren (was Krisen ja so sympathisch macht).

Wenn man gleichzeitig politisch auf Distanz zu russischem Gas geht und sich stärker auf den globalen LNG-Markt und europäische Flüsse verlässt, dann ist ein kleinerer Puffer keine „Normalisierung“. Das ist handwerklich schlechte Risikopolitik: Man macht sich abhängiger von einem nervösen Markt – und senkt die Reserve, die genau diese Nervosität abfedern soll.

Man kann das „optimistisch“ nennen. Oder realistischer: Politikversagen.

„Der Markt regelt“ – ja. Nur nicht zu deinen Gunsten.

Das Lieblingsargument lautet: Der Markt füllt Speicher schon, wenn es nötig ist.

Klar. Der Markt macht das, was sich lohnt. Wenn sich Auffüllen nicht lohnt, wird eben weniger aufgefüllt – bis es plötzlich doch nötig ist. Und dann wird’s nicht „geregelt“, dann wird’s teuer.

Das ist kein moralischer Vorwurf an „den Markt“. Das ist schlicht Mechanik. Wer Versorgungssicherheit will, baut eine Sicherung ein, die nicht davon abhängt, ob sich Vorsorge gerade „rechnet“. Und genau diese Sicherung hat man aufgeweicht.

Was heißt das realistisch für Heizung?

Erstmal die Panikfrage: Geht die Heizung kaputt, wenn weniger Gas kommt?

Nein. Das typische Problem ist nicht „kaputt“, sondern kalt oder teuer.

Gasnetze werden so betrieben, dass Druck stabil bleibt, so lange es geht. Wenn es wirklich kritisch würde, passiert das nicht in Form von „bei jedem kommt ein bisschen weniger“. Es gibt Prioritäten: Haushalte und kritische Einrichtungen werden möglichst geschont, größere Verbraucher sind eher steuerbar und werden zuerst gedrosselt.

Für man als Haushalt ist das realistische Szenario also:

Preisstress, Appelle, Unsicherheit – und im Extremfall Einschränkungen, aber nicht „Thermen sterben“, weil „weniger nachkommt“. Moderne Geräte gehen bei echten Versorgungsproblemen eher in Störung/Abschaltung, bevor sie Schaden nehmen. Nervig, ja. Totalschaden, normalerweise nein.

Und Stromanlagen? Blackout? Oder was?

Auch hier: Nicht Hollywood.

Gas hängt an Stromerzeugung (Gaskraftwerke) und in manchen Regionen an Fernwärme (KWK). Wenn Gas knapp oder brutal teuer wird, wird Gasstrom schneller zum Preistreiber. Dann steigt der Druck im System: Man muss anders disponieren, importieren, umschalten, drosseln. Das Netz „geht“ nicht einfach kaputt – aber es wird angespannter und teurer. Und Fernwärme kann regional ein Thema werden, wenn sie stark an gasbasierter Erzeugung hängt.

Das ist der realistische Teil: Nicht sofort dunkel – aber schneller ungemütlich.

Der böse Schluss, ohne Zuckerguss

Man kann über Putin, Boykott, Geopolitik und Moral diskutieren, bis man alt und gasfrei ist. Aber die nüchterne Rechnung bleibt:

Wenn man Risiken erhöht (Abhängigkeit vom Weltmarkt, Wetter, Lieferketten), dann erhöht man den Puffer. Man senkt ihn nicht.

Alles andere ist keine Energiepolitik.

Das ist ein Staat, der auf die Frage „Was ist der Plan?“ antwortet:

„Man wird schon irgendwie durchkommen.“

Und „irgendwie“ ist genau das Wort, das man ungern neben seiner Heizung stehen hat.

Krieg und Frieden

In meiner Heimatstadt gab es eine Bibliothek. Eine echte. Keine „Lese-Lounge“ mit Kaffeeduft und Achtsamkeitskissen, sondern Regale, Ruhe, und dieses Gefühl, dass man hier entweder schlauer wird – oder wenigstens still.

Ich war eingeschriebenes Mitglied. Mit Ausweis, Stempel, Ernsthaftigkeit. Und ich habe genau das gemacht, was Erwachsene Kindern immer predigen: Ich habe gelesen. Mich durch alles gefressen, was nach „Klassiker“ aussah. Kunstwälzer. Schinken. Bücher, die man nicht liest, sondern übersteht.

Mit fünfzehn war ich dann „aufgeklärt“. Nicht durch Aufklärungsunterricht mit Plakat und Glitzerkondom, sondern durch Anna Karenina und Krieg und Frieden. Tolstoi hat das für mich geregelt. Gründlich. Ohne Rücksicht auf Nerven.

Und jetzt mal ernsthaft: Wo war eigentlich die Altersgrenze?

Wo war der Moment, in dem jemand gesagt hätte: „Stop. Das ist ab 18. Dafür brauchen wir deinen Ausweis. Und eine Einverständniserklärung deiner Eltern, dass du emotional beschädigt werden darfst.“

Bei Filmen gibt’s FSK, bei Games Warnhinweise, bei allem möglichen eine Kennzeichnungspflicht. Aber bei Klassikern? Bei Büchern, in denen Menschen sich ruinieren, fremdgehen, sterben, sich moralisch zerlegen und nebenbei beweisen, dass das Leben selten so läuft, wie man es sich als Kind gedacht hat?

Da gab’s genau gar nichts.

Ich sehe mich noch am Tresen stehen: fünfzehn, motiviert, leicht größenwahnsinnig – und ich lege Krieg und Frieden hin. Dieses Ding machte nicht „Buch“, das machte WUMMS. Eher Möbelstück als Lektüre.

Die Bibliothekarin war eine nette kleine runde Frau. So eine, die nach Wärmflasche, Pfefferminztee und Ordnung im Kopf aussieht. Sie schaute auf den Stapel und sagte, völlig unbeeindruckt:

„Das ist aber dick!!!“

Das war’s. Das war die ganze Kontrolle. Kein „Bist du sicher?“ Kein „Das könnte dich verstören.“ Keine „Für dein Alter empfehle ich eher…“

Nur: Das ist aber dick.

Als wäre die einzige Gefahr an Tolstoi ein Bandscheibenvorfall.

Und natürlich ist genau das der Trick: Klassiker haben diesen Freifahrtschein. Sobald ein Buch alt genug ist, wird alles automatisch Bildung. Dann ist es nicht mehr „zu viel“, sondern „wertvoll“. Nicht „toxisch“, sondern „groß“. Nicht „verstörend“, sondern „zeitlos“.

Der Inhalt bleibt derselbe – nur das Etikett wird hübscher.

Vielleicht war das die eigentliche Freiheit damals: Ich durfte lesen, was ich wollte. Ohne Filter, ohne pädagogische Begleitmusik. Nur ich, der Text und dieses langsame, unangenehme Aha: Ach so. So sind Menschen also.

Tolstoi als Früherziehungs- Literaturprogramm.

Mit Stempel. Und einem freundlichen „Das ist aber dick!!!“.

Ich habe diese wichtigen Bücher irgendwo- nicht gerade versteckt, aber ich glaube meine Tochter hat die auch schon durch. Also Anna und Krieg und Frieden… sowas. Wenn es blutig sein darf: Der Medicus. Aber das war ihr dann zu langweilig. Simon Beckett ist gerade angesagt.

Aber andere Zeit, heutzutage.

Gips Teil Xy

Ich habe einen neuen. Einen sogenannten Gehgips. Aus Plastik und zum Auftreten. Mit Anpassung vom Chef-Orthopäden und Röntgenbildern, die mit Auftreten im Stehen gemacht wurden. Allerdings plagen mich Kopfschmerzen des Todes. Als Trostpflaster haben die Kids gekocht – Mamas Lieblingsessen: Vol-au-vent mit Fritten und Königinpastete, Bouchée à la reine. Das Vol-au-vent gibt’s von Lidl in Belgien im Glas. Das ist hier das Ravioli (ich hasse Ravioli) für Leute, die schnell kochen müssen. Lecker und ein Trostpflaster.

The Night Manager im O-Ton

Manchmal will ich einfach nur einen ernsthaften Film gucken. Und dann fängt die Sprach-Olympiade an.

Französisch: Ich kann es – aber im Film verstehe ich vor allem Gemurmel, Seufzen und „irgendwas mit Emotionen“. Deutsch wäre super, ist aber gefühlt nie verfügbar, wenn man’s mal braucht.

Also schalte ich auf Englisch. Nicht aus Weltläufigkeit, sondern weil ich da wenigstens mitbekomme, warum jemand schreit, wegrennt oder jemanden umbringt.

Und Niederländisch? Ich mag’s, wirklich. Aber bei ernsten Filmen ist es für mein Gehirn einfach zu lustig. Da kann der Plot noch so düster sein – ich höre trotzdem innerlich Fahrräder klingeln.

Kurz: Französisch zu neblig, Deutsch nicht da, Niederländisch zum Lachen – also Englisch. Pragmatismus siegt.

Aber sehr coole Folgen mit Dr.House Darsteller und leckerem Hauptdarsteller.

Harlan neben meinem Bett

Es gibt Autoren, die schreibt man auf eine Liste. „Mal lesen, wenn Zeit ist.“

Und dann gibt es Harlan Coben. Der schreibt dich auf eine Liste. „Schlaf wird überbewertet.“

Ich weiß nicht, wie er das macht, aber Coben hat dieses Talent, ganz normale Leben so aussehen zu lassen, als hätten sie irgendwo hinten im Abstellraum ein Geheimfach. Du startest harmlos: Familie, Job, ein bisschen Vergangenheit, bisschen Gegenwart, alles geschniegelt. Und dann kommt ein Satz, so unscheinbar wie ein Kassenbon im Mantel – und plötzlich stimmt gar nichts mehr. Nicht die Ehe. Nicht der beste Freund. Nicht die Erinnerung. Vor allem nicht die Erinnerung.

Was ich an ihm mag: Er übertreibt nicht. Er braucht kein dauerndes Blaulicht, keine pseudocoolen Ermittler, keine Großstadtromantik. Er nimmt den Alltag und dreht ihn so, dass du dich fragst, ob du deinen Nachbarn wirklich kennst – oder ob der nur gut grüßt. Coben kann Paranoia in Küchenlicht.

Und ja, er kann Tempo. Aber nicht dieses hektische „und dann und dann und dann“-Tempo, sondern Druck. Dieser Druck, der entsteht, wenn jemand in einem Gespräch eine halbe Sekunde zu spät antwortet. Wenn ein Detail nicht passt. Wenn ein Foto zu sauber ist. Wenn du merkst: Da hat jemand sein Leben nicht verloren – da hat es jemand ordentlich zusammengefaltet und in eine Schublade gelegt.

Seine Plots sind wie diese billigen Puzzle aus dem Discounter, die man unterschätzt. Erst denkt man: ach komm, krieg ich hin. Und zwei Stunden später sitzt man da, gereizt, fasziniert, und sieht plötzlich, dass ein Teil die ganze Zeit vor der Nase lag. Genau das ist sein Trick: Die Wendungen sind fies, aber nicht unfair. Du bist nicht betrogen – du bist nur kurz daran erinnert worden, dass du als Mensch sehr gern das glaubst, was bequem ist.

Und seine Figuren? Keine Superhelden, eher Leute mit „Ich hab alles im Griff“-Gesicht und „Ich hab gar nichts im Griff“-Innenleben. Die machen Fehler, weil sie Menschen sind. Und das ist der Punkt: Bei Coben ist das Böse nicht immer ein Monster. Manchmal ist es nur jemand, der zu lange geschwiegen hat. Oder jemand, der die Wahrheit „ein bisschen“ angepasst hat, bis sie sich anfühlt wie Wahrheit.

Wenn ich Coben lese, passiert jedes Mal dasselbe: Ich nehme mir vor, nur kurz reinzuschauen. Und dann sitze ich da wie eine erwachsene Person mit Selbstkontrolle von einem Goldfisch und denke: „Okay, noch ein Kapitel.“

Und dann ist es plötzlich 1:37 Uhr, der Tee ist kalt, und ich bin emotional mit einem Plot verheiratet, der mich nicht mal nett fragt.

Harlan Coben ist nicht einfach spannend. Er ist dieses spezielle Spannend, bei dem du dich gleichzeitig unterhalten und leicht persönlich angegriffen fühlst – weil du merkst, wie schnell ein „normales Leben“ kippen kann, wenn jemand an der richtigen Stelle dran zieht.

Und ja: Ich liebe das.

Lieferungen

Dringend benötigte Dinge von Amazon PRIME!

In Deutschland geht das so: bestellt- am nächsten Tag klingelt es!

Belgien: bestellt… zwei Tage später versendet. Benachrichtigung: Ihr Paket wird in den nächsten Tagen bei Ihnen mit Colis Post bei Ihnen eintreffen. Nach 2 weiteren Tagen: Livraison prévue aujourd’hui.

Dann eine WhatsApp von Colis- Post Mann Ali, dessen WhatsApp Bild einen durchtrainierten Mann mit sehr hübscher Frau am Meer zeigt: „Hey schöne Frau, ich fahre heute und morgen nicht mehr zu Dir, weil es schon Donnerstag ist! Komme aber nicht vor Mittwoch in das Dorf!“

???

Freitag feiert er schon Wochenende scheinbar, oder hängt in Spanischer Villa fest- wer weiß.

„Ich bringe es nächste Woche vorbei… Oder soll ich es Montag bei Computerladen hinlegen, da kannst Du es abholen?“

Ich: „Abholen? In 30 Kilometer Entfernung??? Ich habe gar kein Auto !“

Er: „Ok, stimmt! Ich bringen!“

Mittwoch dann, ich sitze hinterm Fenster habe überall Schilder angeklebt : Colis ici! Mit Pfeil zur Haustür …

Er ruft an: „Ola! Hier Ali, ich bringe dein Paket in Kiste auf deine Haus- Du warst nicht da! Bitte bewerte mich, ich bringe immer Dein Colis! ❤️“

No comment.

Danke Ali – aber das üben wir noch !

Tatsächlich er hat das Paket in die Kiste für unsere vollen Müllsäcke gelegt. Eine Woche nach Bestellung.

Ehrlich gesagt traue ich mich nicht mich zu beschweren, denn das habe ich einmal gemacht und prompt gesagt bekommen: „Madame, wenn sie hierher kommen für Beschwerde (ich war auf der Post) können sie hier nebenan doch gleich ihre Sachen kaufen !“

Belgische Logik zum Erhalt lokaler Einkaufsmöglichkeiten. Naja, es funktioniert.

Was wirklich funktioniert sind Behördenbriefe und Sachen von bol.be das ist das belgische Amazon und kommt gefühlt in Lichtgeschwindigkeit aus Antwerpen angeflitzt… das muss man erst einmal wissen!

Der Gips- Teil 2

Ich sitze im Bett, weil schon das kleinste Bewegen meines Gipsbeins zuverlässig zur schmerzhaften Grundsatzdiskussion führt. Also bleibe ich liegen. Aus reiner Vernunft – und weil Tramal allein keinen Heldenroman schreibt.

Nebenbei arbeite ich konsequent an der Beziehungspflege: Ich ärgere meinen Freund. Die Haustiere sind hingegen begeistert. Endlich bin ich einmal dauerhaft verfügbar, um Köpfe zu kraulen, ohne zwischendurch auf die Idee zu kommen, aufzustehen.

Zur Ablenkung laufen Thriller. Das ist fast stimmig: Im Fernseher wird gejagt, ermittelt und gerettet – und ich kämpfe derweil mit der gefährlichsten Gegnerin der Saison: der eigenen Position im Bett.

Wusstet ihr, dass es eine Inspektor Lynley- Serie gibt?

Trotz allem wandern die Gedanken schon zum nächsten Buch. Offenbar ist das mein inneres Parallelprogramm. „Das Sandalenbuch“ ist dabei erst der Anfang: der Startpunkt einer Reihe Mitohnesahne-Lifehacks – alltagstauglich, klar, ohne Predigtton. Achtsam, ja. Nett nur, wenn’s sich lohnt.

Ein kleiner Dämpfer aus dem Haushalt: Meine Tochter fand es nach Kapitel 2 zeitweise langweilig und erst ab Kapitel 4 wieder richtig interessant. Ich nehme das als ehrliches Lektorat. Kapitel 2 ist Fundament – ab 4 wird es spürbar schärfer, konkreter, besser.

Wer also ein Buch möchte, das nicht einlullt, sondern im entscheidenden Moment zwischen Reiz und Reaktion wieder Handlungsfähigkeit zurückgibt: Das Sandalenbuch. Es ist eine Art Kurs. Ab Kapitel 4 gern mit diesem Blick, der sagt: „Siehste.“