Es gibt Dinge, die will ich wirklich nicht wissen.
Zum Beispiel: Welche Schauspielerin „jetzt endlich Haltung zeigt“, welcher Musiker „nicht mehr schweigen kann“ und welcher Influencer „seine Plattform nutzt“, um mir zu erklären, wie die Welt zu funktionieren hat.
Leute. Ich wollte eigentlich nur sehen, ob ihr einen Ton trefft. Oder ein Licht. Oder einen Refrain.
Nicht ob ihr euch morgens politisch korrekt eincremt.
Links sein als Markenparfum
Ich habe nichts dagegen, wenn jemand links ist. Wirklich nicht.
Ich habe was dagegen, wenn es sich anfühlt wie eine Werbekampagne: „Neu! Jetzt mit Moral! 30 % mehr Gutmensch pro Sprühstoß!“
Diese öffentliche Links-Inszenierung kommt inzwischen so zuverlässig wie Adventskalender im September:
Story mit ernster Miene Hashtag-Kette und irgendwo dazwischen ein Satz, der klingt wie aus einem PR-Handbuch: „Es ist wichtig, dass wir jetzt zusammenstehen.“ Ja, klar. Zusammenstehen. Vor allem in eurem Feed.
Können die ihre Meinung nicht einfach behalten?
Können sie.
Aber dann fehlt eben der Applaus.
Denn das ist der Deal: Haltung posten = Zugehörigkeit sichern.
Du sagst die richtigen Dinge, in der richtigen Tonlage, mit der richtigen Empörung. Und zack: du bist wieder „auf der richtigen Seite“.
Wie praktisch, dass man dafür nichts anstrengend Reales tun muss. Kein Risiko. Kein Streit. Nur Content.
Warum tun die das überhaupt?
Weil es sich lohnt. Punkt.
Reichweite: Empörung ist der Treibstoff. Image: Haltung ist das neue Bio-Siegel. Karriere: In manchen Branchen ist „links sichtbar“ inzwischen wie ein Türschild: Hier wohnt ein guter Mensch, bitte fördern. Absicherung: Wer mitsingt, wird seltener ausgebuht. Wer schweigt, gilt schon als verdächtig.
Und nein, das ist nicht „Mut“. Mut wäre, Dinge zu sagen, die nicht sowieso Beifall bekommen.
Das Nervige ist nicht die Politik – sondern die Predigt
Was mich wirklich aggressiv macht, ist dieser unterschwellige Ton:
„Ich erkläre euch jetzt mal die Welt, weil ich berühmt bin.“
Berühmtheit ist halt keine Zusatzqualifikation in Staatsrecht.
Nur weil jemand in einer Serie glaubwürdig eine Ärztin spielt, kann er trotzdem bei „Grundgesetz“ schon bei Artikel 1 kurz müde werden.
Und jedes Mal, wenn jemand sagt „Ich nutze meine Plattform“, höre ich eigentlich:
„Ich nutze eure Aufmerksamkeit.“
Danke für die Ehrlichkeit.
Mein Umgang damit (sehr demokratisch, sehr friedlich)
Ich mache es so:
Entfolgen. Ohne Diskussion, ohne Abschiedsbrief. Werk ja, Belehrung nein. Ich konsumiere keine Weltanschauung im Bundle. Ich höre lieber Menschen zu, die echte Konsequenzen tragen. Also nicht: „Ich poste“, sondern: „Ich entscheide, ich hafte, ich werde gewählt, ich werde kritisiert und kann nicht einfach ins nächste Sponsoring flüchten.“
Am Ende ist es simpel:
Ihr dürft euch politisch äußern. Natürlich.
Und ich darf es trotzdem unerquicklich finden, wenn es sich anfühlt wie ein moralischer Werbespot zwischen zwei Selfies.
Ich bin da ganz altmodisch:
Wenn ich schon Werbung bekomme, hätte ich gern wenigstens einen Rabattcode!
Da hatte unser damaliger Bürgermeister für seine wiederwahl eine sehr gute Idee…. bei jedem Besuch verschenkte er ein nutzbares Haushaltsgerät. Den Sparschäler habe ich seither regelmäßig benutzt und noch immer ist er Rasiermesserscharf.
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Joa- kann man machen, aber ob das bei manchen was hilft 😅?
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Da hilft leider sehr oft nur noch das Prinzip Hoffnung auf Besserung
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wer den unausgesprochen Mainstream verlässt hat heutzutage schon ein kleines Problem ….
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