Sitz still. Sei freundlich. Sei höflich. Stell dich nicht so an. Mach dich nicht so wichtig.
Sei bitte schön unauffällig.
Denn das ist es, was diese Gesellschaft wirklich will: Dass du funktionierst.
Nicht denkst. Nicht fragst. Nicht zweifelst. Nicht störst.
Kinder sollen still sein, aber kreativ.
Alte sollen ruhig sein, aber dankbar.
Kranke sollen verschwinden, aber bitte nicht klagen.
Arme sollen arbeiten, aber keine Ansprüche stellen.
Frauen sollen lächeln, aber nicht laut sein.
Männer sollen stark sein, aber verletzlich bitte nur in homöopathischen Dosen.
Und alle zusammen sollen bitte daran glauben, dass das hier normal ist.
Wir leben in einer Gesellschaft, die Burnout für ein Karriere-Upgrade hält,
aber Therapie für Schwäche.
Die Influencer bejubelt, die auf Privatinseln Detox machen,
aber alle belächelt, die montagmorgens nicht aus dem Bett kommen.
Die lieber Selfies postet als sich selbst zu reflektieren.
Wir leben in einer Gesellschaft, die lieber Werbung für Achtsamkeit macht, als sich mal achtsam anzuschauen, was sie da eigentlich mit uns macht.
Was wir bräuchten, wäre Mut zur Reibung.
Aber Reibung bringt Konflikte, und Konflikte stören den Betriebsablauf.
Und so halten wir uns lieber gegenseitig ruhig – mit Ratschlägen, Labels, Diagnosen und Social-Media-Filtern.
Hauptsache, es stört nicht.
Hauptsache, alles bleibt wie es war.
Hauptsache, die Fassade hält.
Aber: Sie bröckelt längst!
Denn immer mehr Menschen haben keine Lust mehr, sich für diese absurde Normalität zu verbiegen.
Immer mehr sagen: Ich mach da nicht mehr mit.
Nicht, weil sie rebellisch sind. Sondern weil sie endlich verstanden haben:
Nicht sie sind das Problem.
Sondern das System, das Störung mit Schwäche verwechselt.
Und Stille –
mit Gesundheit.












