Unabhängiger Journalismus

Unabhängiger Journalismus, aber bitte zum Nulltarif?

Alle schimpfen auf Werbung und mediale Beeinflussung

Ein Kommentar- allerdings Achtung- urheberrechtlich geschützt!

Wer kennt es nicht: Kaum öffnet man einen Artikel oder ein Video, springt einem erst mal Reklame ins Gesicht. Pop-ups, Banner, „Sponsored Content“ – einfach nur nervig. Natürlich empfinden fast alle diese Dauerberieselung als Zumutung. Drei Viertel der Nutzer finden Online-Werbung aufdringlich. Viele fühlen sich von Medien manipuliert, wittern hinter jeder Schlagzeile eine versteckte Agenda oder Lobby-Einflussnahme. Die Parole lautet: „Wir wollen unabhängige Medien, die uns nicht mit Werbung und Propaganda beeinflussen!“ Kein Wunder, dass Adblocker boomen und überall über „die Medien“ geschimpft wird.

Doch halt: Dieselben Leute, die lautstark unabhängigen, werbefreien Journalismus fordern, haben auf der anderen Seite einen tickenden Geizkragen in der Tasche. Werbung ist böse, klar – aber sie kostenlos wegklicken zu können, ist halt auch zu verlockend. Man empört sich über „gekaufte Journalisten“ und „manipulative Berichterstattung“, während man genüsslich kostenlose News-Apps durchscrollt, die genau durch jene verhasste Werbung finanziert werden. Ironisch, oder? Ein bisschen so, als würde man Fast Food für ungesund erklären, aber sich dann beschweren, dass Bio-Essen Geld kostet.

Bezahlen? Ich doch nicht!

Hier kommt die Krux: Unabhängiger, werbefreier Journalismus mag ja schön und gut sein – aber bitte ohne meine Brieftasche zu belästigen. Bezahlen für Nachrichten? Um Himmels Willen! In Umfragen geben knapp 70 % der Deutschen offen zu, dass sie keinen Cent für Online-Nachrichten ausgeben wollen. Ähnlich sieht’s anderswo aus: Zwei Drittel der US-Konsumenten sind nicht bereit, für werbefreie Angebote extra zu zahlen. Die Gratis-Mentalität hat sich festgefressen.

Schauen wir nach Deutschland: Hier finanziert der Rundfunkbeitrag (vulgo „GEZ”) theoretisch unabhängigen Journalismus bei ARD, ZDF & Co. Doch anstatt sich zu freuen, wird kräftig gewettert. Es ist längst Volkssport, über die „Zwangsgebühr“ zu schimpfen. In geselligen Runden prahlt man damit, wie man den Gebühreneintreibern jahrelang ein Schnippchen schlug. Alle wollen die öffentlich-rechtlichen Sender am liebsten werbefrei und staatsfern – aber wehe, man bittet jeden Haushalt um einen fairen Beitrag! Dann ist von „Abzocke“ und „Staatsfunk“ die Rede, bevor man flugs wieder zu YouTube oder Facebook abwandert, wo die Informationshäppchen gratis sind (und munter personalisierte Werbung läuft).

Auch private Nachrichtenportale merken den Unwillen der Nutzer, zu bezahlen. Paywall? Nein danke, sagen die meisten, und suchen sich lieber die nächste kostenlose Alternative. Es wird geschnorrt, was das Zeug hält: Probeabos werden ausgereizt, Artikel via Inkognito-Modus oder Script-Tricks entlockt, Adblocker angeworfen. Hauptsache, nichts bezahlen müssen. Gleichzeitig beklagt man, dass Journalisten „nur noch Klickfang“ betreiben oder Themen oberflächlich behandeln. Tja – Qualität hätte nun mal ihren Preis. Wer für guten Inhalt nichts zahlen will, bekommt eben das, was Werbeklicks maximiert: schrille Überschriften, seichte Kost und PR-Meldungen im News-Gewand.

Unabhängiger Journalismus? Romantisch – und ruinös

Es klingt so schön: unabhängiger Journalismus. Frei von Werbung, Lobbyeinfluss, Parteienspende, PR-Auftrag. Die vierte Gewalt in Reinform. Fast schon poetisch. Doch wer ernsthaft versucht, unabhängig zu arbeiten – also ohne Verlag im Rücken, ohne Anzeigenkunden, ohne Clickbait – merkt schnell: Unabhängigkeit heißt vor allem eins: unbezahlbar. Und zwar im wörtlichen Sinn.

Denn was verdient man mit echter, sauberer Recherche? Mit tiefem Faktencheck, mit dem Interview, das nicht gekauft ist? Meist: gar nichts. Vielleicht ein paar Likes. Vielleicht ein Leserkommentar wie „Endlich sagt’s mal jemand“. Aber kein Honorar, das die Miete zahlt.

Der Idealismus, auf dem dieser unabhängige Journalismus basiert, ist bewundernswert – aber ökonomisch suizidal. Wer nicht klicktauglich schreibt, wer nicht in Headlines brüllt, wer sich nicht verkaufen lässt – wird schlicht nicht bezahlt. Vielleicht wird er gesehen, aber nie bezahlt.

Ein unabhängiger Journalist ist heute wie ein Biobauer ohne Hofladen: theoretisch goldwert, praktisch pleite.

Wem also dieser viel beschworene „unabhängige Journalismus“ wirklich etwas bedeutet – der sollte nicht applaudieren, sondern bezahlen. Sonst stirbt das Ideal – an Unterfinanzierung, nicht an Zensur.

Die quadratur des Kreises: Qualität zum Nulltarif?

Man stelle sich vor, Journalismus wäre eine eierlegende Wollmilchsau: liefert kritische Investigativberichte in Hülle und Fülle, völlig neutral, und braucht weder Werbung noch zahlende Kunden, weil er sich magisch selbst finanziert. Klingt traumhaft? Ist es auch – leider ein Märchen. In der Realität kostet Journalismus Geld: Recherche braucht Zeit, Reporter wollen Gehalt, Infrastruktur will bezahlt sein. Irgendwer muss die Rechnung übernehmen.

Doch viele Zeitgenossen scheinen zu glauben, Journalist:innen lebten von Luft und Liebe. Warum für Nachrichten zahlen, wo doch “das Internet” alles kostenlos liefert? Dass hinter einem gründlich recherchierten Hintergrundbericht womöglich wochenlange Arbeit und Reisekosten stecken, verdrängen wir gerne. Qualitätsjournalismus zum Nulltarif – das wäre so, als verlange man vom Bäcker die Brötchen umsonst, weil man Brot ja auch irgendwo auf dem Feld finden könnte. Die Folge: Seriöse Medienhäuser stehen vor einem Dilemma. Sie sollen unabhängig berichten und bitte nicht zu sehr auf Klicks schielen – aber gleichzeitig erwartet das Publikum, dass alles frei verfügbar ist. Eine unmögliche Gleichung.

Beispiel gefällig? Der renommierte Spiegel bietet ein „Pur-Abo“ an: Gegen ein paar Euro monatlich gibt’s die Webseite ohne Tracking und Werbung. Wer nicht zahlt, darf gratis weiterlesen, wird aber eben getrackt und mit Anzeigen versorgt. Was machen die meisten? Richtig – die meisten wählen die kostenlose Variante mit Werbe-Cookies. Verständlich, niemand will 4–5 € pro Monat pro Nachrichtenseite zahlen – das könnte ja auf 30 € summieren, wenn man mehrere Seiten lesen will. Aber man sollte sich im Klaren sein: Der Gegenwert, den wir als Werbe-Nutzer bringen, ist minimal. Die jährlichen Werbeeinnahmen pro Kopf liegen oft bei nur ein paar Euro. Mit anderen Worten: Würden alle Leser ein bisschen was bezahlen, könnte Werbung fast komplett entfallen – doch so weit kommt es eben nicht.

Wie soll Journalismus sich finanzieren?

Wenn Werbung verpönt ist und niemand zahlen will, bleibt die Frage: Wer soll’s richten? Ein paar Möglichkeiten – jede mit Haken und Ösen:

Staatliche Finanzierung: Öffentlich-rechtlicher Rundfunk à la ARD/ZDF oder staatliche Fördergelder für Medien. Vorteil: gesicherte Finanzierung, kein Quotendruck. Nachteil: Wird schnell als „Staatsmedien“ verschrien, politisch beeinflusst oder bürokratisch aufgebläht. Die Akzeptanz sinkt, wenn Zwangsbeiträge erhoben werden – siehe die Dauer-Aufregung um die GEZ-Gebühr. Paywalls und Abos: Die Nutzer direkt zur Kasse bitten. Theoretisch fair: Wer lesen will, zahlt. Praktisch scheitert es oft an der Masse. Nur eine kleine Minderheit ist bereit, für Online-News zu abonnieren. Viele leisten sich höchstens ein Abo und meiden alle anderen Inhalte. Die Konsequenz: Informationen spalten sich in zwei Klassen – hier die zahlenden Premium-Leser mit hochwertigem Inhalt, dort die Gratis-Nutzer, die sich mit klickoptimierten Häppchen begnügen müssen. Demokratiefördernd ist das nicht gerade. Werbung und Klicks: Das alte Modell – Inhalte gratis, Finanzierung über Anzeigen. Wird ja noch breit praktiziert, aber wir sehen die Auswirkungen: Clickbait überall, Datenschutzprobleme durch Tracking, Artikel, die eher gefällig für Werbekunden sind als kritisch für die Leser. Unabhängigkeit? Eher schwierig, wenn der Autohersteller xy dicker Inserent ist – ob da der Enthüllungsbericht über dessen Abgasskandal groß rauskommt? Das Vertrauen leidet erheblich, wenn Medien primär als Werbeplattform wahrgenommen werden. Mäzene und Stiftungen: Einige hoffen auf großzügige reiche Onkel oder Stiftungen, die Qualitätsjournalismus aus Gemeinsinn fördern. Gibt es – z.B. finanzieren Stiftungen gewisse Investigativ-Recherchen oder Milliardäre kaufen Zeitungen aus Idealismus. Doch auch hier: Wer zahlt, bestimmt mit. Im besten Fall halten sich Mäzene raus, im schlimmsten Fall verfolgen sie eigene Interessen im Hintergrund. Und auf Almosen allein lässt sich keine flächendeckende Medienvielfalt gründen – es bleiben meist Leuchtturm-Projekte, während die breite Basis darbt.

Fazit: Kein Geld, keine unabhängige Presse – so einfach ist das

Unabhängiger, kritischer Journalismus ist unbezahlbar wertvoll – aber eben nicht kostenlos zu haben. Die breite Masse ruft nach objektiver Information frei von Werbung und Einflussnahme, weigert sich jedoch, dafür in die Tasche zu greifen. Dieses Anspruchsdenken – alles haben wollen, aber nichts dafür geben – führt am Ende zu genau dem, was niemand will: ein Medienangebot, das entweder von Werbung durchseucht, von Großgeldgebern gelenkt oder qualitativ verflacht ist.

Wir müssen uns als Gesellschaft fragen, was uns seriöse Informationen wert sind. Ein Zeitungs-Abo für ein paar Euro im Monat – weniger als ein Streamingdienst oder ein Handyvertrag – sollte es uns eigentlich wert sein, wenn dafür die Demokratie mit solider Berichterstattung versorgt wird. Andernfalls zahlen wir eben auf andere Weise: mit unserer Aufmerksamkeit für Werbung, mit unseren Daten beim Tracking, oder langfristig mit dem Verlust an Vielfalt und Qualität in der Medienlandschaft.

Denn am Ende gilt: “You get what you pay for” – oder auf gut Deutsch: Umsonst ist nur der Tod, und selbst der kostet das Leben.

Mein Bauch gehört mir, aber muss er so bleiben?

Es gibt Körperteile, die man ohne Wehmut hergibt: die Blinddarmentzündung, das letzte bisschen Hoffnung auf Bikini-Fotos – und den Babybauch, der nie gefragt wurde, ob er bleiben darf. Er tat es trotzdem. Treu wie mein Hund. Nur nicht halb so charmant.

Nach Jahren der geduldigen Ignoranz hat mich nun die Realität erwischt. Die Hose kneift nicht mehr nur ein bisschen. Sie schreit. Und mit ihr der Arzt: Viszeralfett sei kein kosmetisches Problem, sondern ein tickendes Organ. Na toll. Man kann sich also wortwörtlich zum metabolischen Minenfeld futtern. Risiko gefällig?

Bauchfett kann:

Deine Leber verfetten Dein Herz belasten Deine Bauchspeicheldrüse sabotieren Deine Zellen beleidigen (Insulinresistenz lässt grüßen) Deine Hormone aus dem Gleichgewicht werfen Entzündungen anfeuern Und – Trommelwirbel – das Demenzrisiko erhöhen

Hurra.

Also: Schluss mit lustig. Ich geh auf Diät. Aber bitte ohne Weizen, Milch, Zucker, Glukose, Fruktose, Dextrose, Maltose – eigentlich ohne alles, was schmeckt. Dafür mit allem, was wirkt. Ich nenne es Operation Flauschfrei.

Hier mein Plan – für alle, die ihre Organe lieber gesund als weich gepolstert mögen:

Wochenplan – glutenfrei, laktosefrei, zuckerfrei, aber nicht freudefrei

Montag

Frühstück: Chia-Kokos-Pudding mit Heidelbeeren

Mittag: Quinoasalat mit Ofengemüse und Hanfsamen

Abend: Gedünsteter Brokkoli mit Hirse und Räuchertofu

Dienstag

Frühstück: Smoothie aus Avocado, Spinat, Gurke und Mandeldrink

Mittag: Rote-Linsen-Curry mit Zucchini und Kurkuma

Abend: Gebackene Aubergine mit Tomaten-Kräuterfüllung

Mittwoch

Frühstück: Overnight-Buchweizen mit Zimt, Apfel und Walnüssen

Mittag: Hähnchenbrust (bio) auf Blumenkohlreis

Abend: Salat mit Rucola, fermentiertem Gemüse und Olivenöl

Donnerstag

Frühstück: Mandeljoghurt mit Leinsamen und Himbeeren

Mittag: Süßkartoffelstampf mit Grünkohl

Abend: Zucchininudeln mit Avocado-Basilikum-Creme

Freitag

Frühstück: Hirsebrei mit Birne und Kardamom

Mittag: Quinoa-Bowl mit Brokkoli, Sesam und Tamari

Abend: Pilzpfanne mit Petersilie und schwarzen Bohnen

Samstag

Frühstück: Kokos-Porridge mit Kakaonibs und Banane (halbe)

Mittag: Gebackene Paprika mit Linsenfüllung

Abend: Gedämpfter Fenchel mit Kräuterdip und Buchweizen

Sonntag

Frühstück: Smoothiebowl mit Beeren, Nüssen, Flohsamen

Mittag: Gegrilltes Gemüse mit Oliventapenade

Abend: Miso-Suppe mit Algen, Tofu und Rettichstreifen

Snacks erlaubt:

Ein paar Mandeln Ein Stück fermentierter Apfel Ein Löffel Kokosöl gegen Heißhunger (ja, ernsthaft) Kräutertee – so viel, bis du den Teekessel beim Namen nennst

Und sonst?

Bewegung. Weniger Sitzen. Mehr Schlaf. Weniger Drama. Mehr Darmfreundlichkeit.

Bauch weg bedeutet nicht nur: endlich wieder Jeans ohne Reißverschluss-Krieg. Es heißt: weniger Entzündung, mehr Energie, besser denken.

Also los. Zieh deinen Bauch in die Verantwortung – und dich gleich mit.

Gedankenspazieren

Es gibt Tage, da ist der Weg das Einzige, was klar bleibt. Kein Ziel, kein Plan – nur Schritt für Schritt durch die Landschaft, durch das Dorf, durch ein Stück unverfügbarer Zeit. Wer spazieren geht, sucht nicht. Wer spazieren geht, findet – Gedanken, Antworten, manchmal ein vergessenes Gefühl.

Spazieren ist keine Flucht. Es ist ein langsames Gespräch mit sich selbst und der Welt. Der Blick löst sich vom Bildschirm, das Denken vom Funktionieren. Die Füße übernehmen das Tempo, und plötzlich beginnt der Kopf, leiser zu werden. Nicht leer, sondern frei.

Ich habe viele meiner besten Ideen nicht am Schreibtisch gehabt, sondern irgendwo zwischen Wegrand und Wind. Nicht weil ich gesucht habe, sondern weil ich offen war. Für eine Stimmung. Für einen Satz, der hängen bleibt. Für eine Wahrheit, die nicht laut daherkommt.

Spaziergänge sind unpolitisch, aber nicht unbedeutend. Sie sind keine Therapie, aber manchmal heilend. In einer Welt, die Schnelligkeit belohnt, sind sie ein stiller Widerstand – gegen Dauerbeschallung, gegen das ständige Müssen, gegen die Unfähigkeit, auch mal nichts zu erwarten.

Und wenn ich doch etwas finde? Eine Feder am Wegesrand. Eine Idee. Oder einfach nur den Satz: So wie es ist, ist es gerade genug. Dann weiß ich: Der Spaziergang war klug. Auch wenn er nichts gesucht hat.

Kein Dorf- aber Eifel . Nikon – Bild privat

Resilienz ist kein Einhorn

(Warum stark sein manchmal nur heißt: duschen und durchhalten.)

Manche stellt sich Resilienz vor wie ein Superheldencape. Oder ein spirituelles Upgrade. Resiliente Menschen – das sind doch diese tiefenentspannten, überlebensfähigen Glückskekse mit Waldblick und Smoothie, die morgens um sechs barfuß meditieren und mit einem inneren Leuchten durch Krisen spazieren.

Andere eher nicht.

Es gibt Menschen, die verwechselten Resilienz zuerst mit „Residenz“. Und merkten dann: Ah, das ist das, was man braucht, wenn man nachts um drei heulend am Küchentisch sitzt und sich fragt, ob das Leben das ernst meint.

Spoiler: Meint es meistens.

Resilienz ist kein Glitzerwort. Es ist das leise „Trotzdem“. Es ist der Moment, in dem man die Zahnpasta nach vier Tagen wieder benutzt. Oder sich traut, einem anderen Menschen zu sagen: „Ich bin müde. Aber ich bin da.“

Und ja – manchmal ist es auch der Entschluss, nicht das achte Achtsamkeitsbuch zu kaufen, sondern einfach mal die Wäsche zu falten. In Ruhe. Und mit dem Gefühl: „Ich funktioniere wieder. Irgendwie.“

Es gibt viele Definitionen für Resilienz: „Widerstandskraft“, „Stehaufmännchen“, „innere Stärke“. In Wahrheit riecht sie oft nach Krankenhaus. Nach Schweigen. Nach Zähigkeit. Und nach einem Kaffee, den man allein trinkt – aber immerhin trinkt.

Wer Resilienz sucht, sollte nicht nach dem perfekten Zustand suchen. Sondern nach dem nächsten kleinen Schritt. Und wenn man ihn gemacht hat, dann: atmen. Kein Instagram. Kein Hashtag. Nur still dasitzen. Noch da sein.

Das reicht. Aber auch das muss man oft lernen.

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Corona und sein Meinungssyndrom

Ein Kommentar zur situativen Verkleidungskunst unserer Gegenwart

Es war einmal ein Virus, das über die Welt kam – nicht, um sie zu erlösen oder auszulöschen, sondern um sie auszuziehen. Corona war kein medizinisches Problem, es war ein moralischer Striptease. Während die einen noch nach Masken suchten, hatten andere längst die Hosen runtergelassen. Die Pandemie, so liest man bei Sebastian Fitzek, im aktuellen Stern Interview, habe Hypochonder, Schwurbler, Nihilisten und Verschwörungstheoretiker entlarvt. Das mag stimmen. Aber sie hat noch mehr geschaffen: eine ganz neue Garderobe für politische und moralische Meinungen.

Heute trägt man Haltung wie einen Anzug. Schlank geschnitten, atmungsaktiv und selbstverständlich wechselbar – je nach Publikum, Plattform und Lichteinfall. Was gestern noch Grundrechte verteidigte, wird heute zur Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt erklärt. Und umgekehrt. Wer zu Beginn der Pandemie Masken trug, war solidarisch. Später galt das als obrigkeitshörig. Dazwischen lagen oft nur wenige Wochen – und eine Meinungswende von „Wir bleiben zu Hause“ zu „Ich lass mir doch nichts vorschreiben“.

Willkommen im postfaktischen Ankleidezimmer: Die Meinung von gestern wird recycelt, neu gefüttert und als „gewachsene Erkenntnis“ ausgegeben. Jeder ist heute ein bisschen Virologe, Verfassungsrichter, Geopolitiker – je nach Bedarf. Der gesellschaftliche Diskurs gleicht einem Maskenball, bei dem sich kaum noch jemand fragt, wer da eigentlich tanzt – Hauptsache, man steht im Licht.

Und der Kaiser? Der steht wieder einmal nackt da. Nur dass er diesmal glaubt, sein moralischer Maßanzug bestehe aus Transparenz und Selbstkritik. In Wahrheit trägt er das, was gerade gut ankommt. Das Etikett heißt „Haltung“, aber die Naht ist schlecht verarbeitet. Eine falsche Bewegung, ein falsches Zitat – schon platzt der Stoff. Dann wird schnell neu geschneidert, notfalls mit heißer Nadel, Hauptsache, die öffentliche Meinung applaudiert.

Corona war keine Prüfung für unsere Gesundheit. Es war eine Generalprobe für unser Rückgrat. Wer jetzt noch stehen kann, ohne sich dauernd umzuziehen, hat vielleicht keine 10.000 Follower – aber vielleicht noch ein bisschen Würde im Schrank.

Digitale Patientenakte: Warum Belgien längst weiter ist als Deutschland

In Belgien gehört die digitale Patientenakte längst zum medizinischen Alltag. Ärzte, Krankenhäuser und Apotheken arbeiten vernetzt zusammen – schnell, effizient und im Sinne der Patienten. Eine Selbstverständlichkeit, möchte man meinen, schließlich geht es um nichts Geringeres als die Gesundheit jedes Einzelnen. Während Belgien, wie viele andere europäische Länder auch, digitale Lösungen selbstverständlich integriert hat, bleibt Deutschland gefangen im Labyrinth von Datenschutzängsten, Bürokratie und politischer Zögerlichkeit.

Dabei zeigt die Praxis: Die elektronische Patientenakte ist kein Risiko, sondern eine Chance. In Belgien können Patienten selbst entscheiden, wer auf ihre Daten zugreifen darf. Sie profitieren von einer besseren Koordination zwischen Hausarzt, Fachärzten und Krankenhaus. Doppeluntersuchungen werden vermieden, Medikamentenwechsel transparent dokumentiert, Notfalldaten sind jederzeit verfügbar. Kurzum: Die Akte verbessert die Behandlung – schnell, sicher und nachvollziehbar.

Deutschland hingegen versteckt sich hinter einem fast schon reflexhaften Datenschutz-Reflex. “Was könnte passieren?”, “Wer könnte die Daten missbrauchen?”, “Was, wenn…?” – die Liste der Befürchtungen scheint endlos. So wird jede Innovation von einer Welle der Skepsis erstickt, bevor sie überhaupt richtig Fahrt aufnehmen kann. Das Ergebnis: In deutschen Arztpraxen wird noch immer Papier von A nach B getragen, Kopien gemacht und gefaxt, während Patienten im Ernstfall auf eine medizinische Lotterie angewiesen sind, wer gerade welche Informationen parat hat.

Natürlich ist Datenschutz wichtig. Aber wenn Schutz zur Blockade wird, wenn Angst den Fortschritt lähmt, dann schadet man am Ende den Menschen, die man eigentlich schützen will: den Patienten. Belgien zeigt, dass beides geht – Schutz der Privatsphäre und moderne Gesundheitsversorgung. Durch klare Regeln, Transparenz und die Möglichkeit, selbst über die eigenen Daten zu bestimmen.

Deutschland könnte viel lernen. Statt sich ins sprichwörtliche Hemd zu machen, wäre es Zeit, das Hemd hochzukrempeln – und die digitale Patientenakte endlich als das zu begreifen, was sie ist: ein Werkzeug für bessere Medizin, mehr Sicherheit und ein gesundes Morgen.

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Coo, Kirche und Taverne

Manchmal muss man nur einen Schritt über eine unsichtbare Grenze setzen, und alles wird anders. Ostbelgien ist so ein Ort. Kein Land der großen Schlagzeilen, sondern ein Land der kleinen Wunder: der nebligen Wiesen am Morgen, der knorrigen Apfelbäume im Wind, der Dörfer, in denen die Zeit ein wenig vergisst, weiterzurennen.

Hier, wo Deutschland, Belgien und Luxemburg sich leise Guten Tag sagen, breitet sich eine Landschaft aus, die Geschichten erzählt, ohne ein Wort zu verlieren. Alte Kreuzwege schlängeln sich durch Wälder, Kapellen ducken sich unter Kastanien, und am Fluss Our spiegelt sich manchmal die Erinnerung an eine Vergangenheit, die fast zu still ist, um sie zu hören.

Ostbelgien ist nicht laut. Es ist ein Flüstern. Ein Lächeln im Vorübergehen. Eine Tasse Kaffee auf einer kleinen Terrasse, während irgendwo im Hintergrund Kühe blöken und der Bäcker das neueste Gerücht durchs Dorf trägt. Hier verliert man den Stress nicht, hier vergisst man einfach, dass es ihn gibt.

Und wenn die Sonne abends tief in die Hügel sinkt und die Nebel aus den Tälern steigen wie Geschichten, die noch niemand aufgeschrieben hat, dann weiß man plötzlich: Man braucht keine großen Abenteuer. Man braucht nur einen Ort, an dem das Herz wieder weiß, wie man langsamer schlägt.

Willkommen in Ostbelgien. Willkommen zu Hause.

Kauderwelschisch

Weißmess? Waimes? Weimes? – Et läuft, hej!

Willkommen in Waimes. Oder Weismes. Oder Waimeß. Je nachdem, wie viel Kaffee du hattest – oder wie lange du dich schon mit ostbelgischer Ortsschilderlogik herumschlägst.

Waimes liegt im Osten Belgiens, da wo sich die Landkarte kurz räuspert und sagt: Tschuldigung, aber hier wird’s kompliziert. Denn die Bewohner dieses charmanten Dörfchens haben sich kollektiv dafür entschieden, keine klare Sprache zu sprechen. Warum auch? Leben ist schließlich schon ernst genug.

Was spricht man in Waimes?

Kurze Antwort: Ja.

Längere Antwort: Ein sehr wilder Mix aus Französisch, Deutsch, Platt, Flämisch und „Hauptsache, der Nachbar versteht’s irgendwie“. Wer dort auf einen Bauernmarkt geht, erlebt echte Sprachakrobatik:

– „Moin! Bonjour, Ca va- is et? Alles klar, hej? Geht doch, oder wa?!“

Einheimische nennen das Waimeser Wellenplatt mit französischem Käsetopping. Oder auch: „Schnack, wie et kummt“. Es ist nicht wirklich Französisch. Nicht wirklich Deutsch. Aber dafür mit Überzeugung.

Google behauptet übrigens, Waimes habe knapp 8.000 Einwohner. Aber ehrlich: Mindestens die Hälfte davon sind Kühe mit Zweitpass. Der Rest sind charmante, eigensinnige Ostbelgier, die sich morgens auf Französisch begrüßen, mittags auf Platt streiten und abends beim Bier auf Deutsch versöhnen.

Fun Fact: Wer in Waimes lebt, kann jedes Scrabble-Spiel locker gewinnen – einfach mit Worten wie eh bien dat geet doch njet?!. Das ist zwar grammatisch fragwürdig, zählt hier aber als gültiger Satz und Lebensmotto.

Also: Wenn du mal nicht weißt, wo du bist, was du sagen sollst oder in welcher Sprache du gerade denkst – fahr nach Waimes. Da bist du genau richtig.

Oder wie man dort sagt:

„Jojo, ça va, dat is ejal, hej – hauptsach, et schmekt!“

Guten Morgen – Ferienstart um fünf

Seit fünf Uhr wach. Ferien in Belgien, zwei Wochen ohne Schulstress. Ausschlafen wäre naheliegend – hat aber nicht geklappt. Stattdessen: Kaffee. Schreibtisch. Stille. Der Hund schnarcht irgendwo hinter mir- also eigentlich furzt er laufend und stinkt entsetzlich heute schon so früh und draußen wird es langsam hell. Die Sonne braucht noch einen Moment, scheint aber in die richtige Richtung zu arbeiten.

Ich sitze am Schreibtisch, der Kaffee dampft vor sich hin, und die Finger tippen schon die ersten Sätze. Nicht, weil ich muss – sondern weil es gerade passt. Weil morgens um fünf noch keiner dazwischenfunkt. Keine Nachrichten, keine Stimmen, keine To-do-Liste, die mir ins Ohr schreit.

Was genau ich hier tue? Schreiben, sortieren, Gedanken festhalten, bevor sie sich wieder verflüchtigen. Vielleicht ist das frühe Aufstehen gar kein Fehler, sondern einfach nur der ruhigste Teil des Tages.

Der Hund findet’s jedenfalls entspannt. Achtung jetzt wird’s lyrisch: Wenn selbst die Sonne noch gähnt (gut, gell?) , fühlt man sich beim Schreiben nicht beobachtet. Auch mal schön.

Guten Morgen also. Keine große Sache. Nur ein bisschen Kaffee, ein bisschen Text – und vielleicht ein guter Anfang.

Gelstift im Magnetfeld- für schwebende Gedanke

Ich liebe Gelstifte. Punkt. Dieses sanfte Gleiten übers Papier, dieses satte Schwarz – für mich ist das Schreiben mit einem Gelstift kein Werkzeug, sondern ein kleines tägliches Vergnügen. Aber dieser hier- die Endversion! Der schwebt!

Dank Magnetfeld thront mein Lieblingsstift jetzt in einer kleinen schwarzen Halterung auf meinem Schreibtisch – schwerelos, elegant, fast wie ein Zauberstab. Ein bisschen Science-Fiction für den Alltag. Und jedes Mal, wenn ich hinschaue, denke ich: Ideen dürfen auch mal abheben.

Erhältlich im Schreibwarenbedarf St.Vith

Der deutsche Verfall der Muttersprache

Quelle Instagram

Sprache im Wandel: Was früher „Er sagte“, „Sie entgegnete“ oder „Ich erwiderte“ hieß, klingt heute eher nach WG-Gespräch um Mitternacht:

„Ich so: Was soll das? – Er so: War nicht ich! – Sie so: Doch, du warst’s!“

Der neueste Trend: direkte Rede ohne Umwege – gern in halben Sätzen, mit viel Drama und wenig Grammatik.

Gesehen bei Insta, TikTok – und jetzt sogar bei der ARD. Inklusive Krimi-Dialog wie:

„Ihr Ehemann so: Es war ein Überfall! – Die Kommissarin so: Sie sind verdächtig!“

Was das soll? Es entemotionalisiert, überspitzt – und macht jede Szene sofort meme-tauglich.

Sprache als Soundbite. Kommunikation auf Speed.

Grammatik so: Bin dann mal weg.

Tiefdruck am Küchentisch


Tiefdruck mit Tetrapack und Nudelmaschine? Ja, das geht – und macht süchtig.
Aus Alt mach Kunst: recyceln, ritzen, drucken. Kein Atelier nötig – nur ein bisschen Mut, eine alte Verpackung und die Pastamaschine aus dem Küchenschrank.


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Wer heute lacht, ist morgen rechts

– was für ein Irrsinn!

Es reicht langsam.

Echt jetzt.

Ich habe diesen Stern-Artikel gelesen – ihr wisst schon, der, der der ARD vorwirft, „rechtspopulistische Strategien“ zu fahren. Und warum? Weil da mal wieder jemand einen Witz gemacht hat, der nicht in das weichgespülte Weltbild unserer Empörungs-Avantgarde passt.

Dieter Hallervorden macht Satire – zack, rechts.

Serdar Somuncu sagt etwas Unbequemes – bumm, rechtspopulistisch.

Ein Beitrag stellt kritische Fragen zu Migration – Skandal, natürlich „Narrative von ganz rechts“.

Was kommt als Nächstes? Loriot posthum canceln, weil sein Humor zu subtil war, um eindeutig links zu sein?

Seit wann ist Humor ein politisches Verbrechen?

Ich sag’s, wie’s ist: Dieser hysterische Reflex, alles, was nicht hundertprozentig auf Linie ist, in die rechte Ecke zu prügeln, ist nicht nur lächerlich – er ist gefährlich.

Denn wer alles für „rechts“ erklärt, was nicht in die aktuelle Denkblase passt, der weiß bald selbst nicht mehr, wo wirklich rechts ist.

Und diese ewige Rückschau à la „Früher war alles böse“?

Guter Witz.

Vor 40 Jahren war Satire scharf, Fernsehen mutig und Humor nicht dauernd moralisch geprüft. Das war nicht rechts, das war ehrlich. Heute? Heute sitzt der Tugendwächter auf jedem Sender und fuchtelt mit dem Zeigefinger, sobald jemand nicht genderneutral die Blumen gießt.

Ich habe keine Lust mehr, mir ständig einreden zu lassen, dass ich mich für mein Weltbild rechtfertigen muss, nur weil es nicht in 280 Zeichen Empörung passt.

Nein, nicht jeder, der die Augen aufmacht, ist ein Rechter.

Nicht jeder, der lacht, ist gefährlich.

Und nicht jeder, der vor 40 Jahren Fernsehen gemacht hat, war ein verkappter Faschist.

Wenn das neue Denken nur noch im Ausschluss besteht, in der vorsorglichen Empörung, im moralischen Dauerfeuer – dann ist das kein Fortschritt. Das ist ein Rückfall.

In eine Zeit, in der man besser den Mund hält.

Aber wisst ihr was? Ich mach das nicht.

Ich lache weiter.

Ich denke weiter.

Und ich schreib weiter.

Auch wenn’s nicht allen gefällt.

Da ich es mir permanent ausleihen muss…

hätte ich gerne ein eigenes Auto.

Keinen Sportwagen, kein Statussymbol, nichts mit WLAN, Panoramadach und Sitzmassage. Ich will einfach ein Auto, das fährt. Immer. Überall. Auch, wenn’s schüttet, friert oder ein halber Hang runterkommt.

Ein Jeep vielleicht.

Oder irgendein vierradgetriebenes Arbeitstier, das sich nicht gleich verschluckt, wenn’s matschig wird. Eins, das mich und die Kids überlebt, selbst wenn der Winter in den April fällt und die Straße sich spontan in einen Fluss verwandelt.

Denn hier, am Arsch der Welt, ist ein Auto keine Frage von Luxus.

Hier ist es Überlebensstrategie.

Hier fährt kein Bus im Halbstundentakt. Hier gibt’s keine E-Scooter, keine U-Bahn, kein Lieferando.

Hier gibt’s Nebel, Glatteis, Hochwasser, und Steinschlag in der Kurve hinterm alten Bauernhof.

Hier gibt’s Alltag ohne Auffangnetz.

Ich hätte gerne ein Auto für genau das.

Für den Einkauf in der nächsten Zivilisation.

Für Arzttermine mit drei Kindern und einem Zeitfenster von zwanzig Minuten.

Für Schule, Kita, Sport, Musik, Notfall, Schneesturm, Sonntagnachmittag.

Ich könnte es sogar unterhalten. Versicherung, Tanken, Reifenwechsel – krieg ich hin.

Was fehlt, sind die Anschaffungskosten. Diese eine, dicke Einstiegshürde, die so viele Träume einfach wegradiert. Zack. Wie mit dem Radiergummi durchs Leben.

Aber die Wahrheit ist:

Ein eigenes Auto kostet. Und zwar mehr, als man in diesen Gegenden oft verdient.

Und während die Politiker in ihren gepolsterten Hybridlimousinen darüber diskutieren, wie man die Welt rettet, frage ich mich, wie ich sie überhaupt erreichen soll – diese Welt da draußen.

Ich träume also weiter. Von einem rostfreien, zuverlässigen, dellenfreundlichen Alltagshelden.

Einer kleinen Festung auf vier Rädern. Für mich und die Kinder.

Ein Auto für den Arsch der Welt.

Denn ganz ehrlich?

Manchmal wäre das schon genug.