Oh Baby….

Er: „Was machst Du so?“
Sie: „Pizzateig…“
Er: „Echt jetzt? Ich sitze seit 8 Stunden im Auto und sehe hier gerade den Schnee.“
Sie: „Oh….hast Du Hunger?“
Er: „Jaaaaa, hast Du Wein? Ich habe da einen Rubin.“
Sie: „Bring ihn mit!“
Sie fetzt durch die Räume, schnell aufräumen, schnell Puder und Augen….Schnelles Make up. Sie hört ihn Schnee schaufeln. Sie sieht nicht hinaus.

Sie hört die Stimme der Freundin : „Er wird keine Ruhe geben, bis er Dich hat.“

Er ist nervös, sie nicht. Seine Hände zittern. Sie weiß noch nicht, was sie davon halten soll, er sieht auf einmal so schmächtig aus. Zarte kleine Hände, Falten um die Augen. Er hat abgenommen.
Vieleicht ist es nicht sein Körper, er ist leiser geworden.
„Hast Du den Nachbarn eine Denkaufgabe gegeben?“
„Nein, ich bin Außen rumm.“
„Du hättest winken sollen….“
„Mache ich später, ich lauf dann durchs Gemüse!“
Sie schüttelt sich vor lachen.
„Ich komme gerade aus dem lauten Berlin, was glaubst Du ist das hier?!“
Sie lächelt.
„Ich weiß.“

Pizza, Smalltalk, eine Flasche Wein. Zweite Flasche Wein.
Er erzählt vom Krieg. Weit weg…

Ihr fehlen die Worte.

Er hat irgendwann Tränen in den Augen. ‚Schmerzfrei‘ ist sein liebstes Wort.

Die Wände fangen an zu verschwinden. Er erzählt so lebhaft, dass sie den Staub sieht. Das Blut riecht, die Geräusche hören kann.
Er wird immer kleiner. Sie kann ihn kaum noch erkennen. Dieser grosse Kerl, mit den beeindruckenden Muskeln. Der Macho, der er schafft mit drei Fotos seines Oberkörpers Unruhe zu stiften.
Dann ist er verschwunden und plötzlich ist da ein anderer Mann.
Leise sanfte Töne, ein Zittern in der Stimme. Erinnerungen, wichtige Dinge, Erzählungen mit Gefühlen.
Er versucht taff zu bleiben.
Er versucht irgendwie die Situation zu retten.
„Es tut mir leid, ich weiß auch nicht“
Sie ist erschrocken, und noch mehr erschüttert.
Sie versteht. Er lässt los.

Die Methamorphose endet in der Dusche. Es ist zwei Uhr in der Nacht.

„Verdammt, ich wollte Dich nicht küssen!“

3 Gedanken zu “Oh Baby….

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