Heute bin ich fast ausgeflippt – vor Wut, Verzweiflung und purer Fassungslosigkeit. Ich wollte „nur“ einem Bekannten helfen, der akut krank war, extrem gelitten hat und dringend ärztliche Hilfe brauchte. Mein Versuch, das über das System von LillianCare (Terminbuchung in einem Ärztehaus zu regeln, endete in einer absoluten Katastrophe.
Ich bin lebe nicht mehr aus Deutschland (mir war das System also fremd und neu ) aber als absolut interneterfahrene Frau, dachte ich mir: Das kriege ich hin. Doch die Realität hat mich eines Besserem belehrt. Der gesamte Prozess war so extrem schwierig und undurchdacht, dass eine normale menschliche Kommunikation von vornherein komplett unterbunden wird. Niemand geht ans Telefon, und in der App hat man lediglich ein paar starr vorgegebene Optionen zur Auswahl – etwa eine Krankschreibung oder Standard-Versorgung.
Es gibt dort überhaupt keine Möglichkeit, irgendwo einzugeben oder zu sagen, dass jemand wirklich massive Schmerzen hat, dass es der Person elend geht und sie nicht einmal mehr laufen kann. Man kann keinen Notfall schildern, sondern soll stur einen Termin buchen. Aber wie soll ein Schwerkranker zu einem Termin erscheinen, wenn er das Bett nicht verlassen kann? Es fehlt hier an jeglicher Menschlichkeit und an grundlegendem Verständnis für reale Notsituationen.
Weil am Telefon niemand erreichbar war und das System keine Hilfe bot, bin ich vor lauter Verzweiflung direkt zur Praxis gefahren, um mich vor Ort zu beschweren. Was ich dort erlebte, fühlte sich für mich wie unterlassene Hilfeleistung an. Anstatt dem Mann eine Krankenhauseinweisung auszustellen, hieß es trocken, ich solle gefälligst einen Krankenwagen rufen.
Da frage ich mich ernsthaft: Wo genau soll hier eigentlich die Einsparung für unser Gesundheitssystem liegen? Wenn ein Hausarzt wegen bürokratischer Hürden und digitaler Blockaden die Erstversorgung verweigert und stattdessen der Rettungsdienst ausrücken muss, erzeugt das massive Zusatzkosten und erhebliche Zusatzprobleme für alle Beteiligten. Eine einfache Einweisung hätte das Problem sofort, sicher und unkompliziert gelöst.
Digitalisierung in der Medizin soll Hürden abbauen und Abläufe erleichtern. Doch was LillianCare hier veranstaltet, ist kein Fortschritt, sondern eine Entmenschlichung der Versorgung. Ein Hausarzt ist die wichtigste Anlaufstelle für kranke Menschen und kein geschlossener Club für App-Nutzer. Wer unter hohem Fieber oder starken Schmerzen leidet, braucht ein offenes Ohr und schnelle Hilfe, anstatt sich durch starre Formulare quälen zu müssen.
Wenn die App den Menschen ersetzt und der telefonische Draht abgeschnitten wird, bleiben die Schwächsten auf der Strecke. Fortschritt im Gesundheitswesen funktioniert nur mit Verstand, Empathie und einem direkten, persönlichen Zugang für alle – ganz egal, ob mit oder ohne Smartphone.