Ich gebe es gleich zu: Wenn mir vor einem Jahr jemand gesagt hätte, dass ich an einem Sonntag freiwillig durch den Wald laufe, hätte ich gefragt, wer mich bei dieser Wette gerade vertreten hat. Und doch stand ich da, beim Wandertag des Verkehrsvereins, in Wanderschuhen und mit Rucksack.
Die Strecke war mehrere Kilometer lang und gut ausgeschildert. Unterwegs gab es ein paar Stände, nicht viele, aber ausreichend: Brötchen, Obst, Wasser und Bier. Mehr nicht, und mehr brauchte es auch nicht. Warmes Essen gab es nur am Start- und am Zielpunkt. Das sorgte für eine klare Motivation: Irgendwo am Ende wartet etwas Heißes.
Die Landschaft war tatsächlich schön. Man lebt hier, man kennt das alles, und trotzdem fällt einem erst auf zwei Beinen wieder auf, wie viel Wald, Hänge und Bachläufe es vor der Haustür gibt. Die Herbstfarben waren schon deutlich zu sehen, und stellenweise kam die Sonne so durch die Bäume, dass sogar ich kurz stehen geblieben bin. Kurz. Denn ich bin kein Mensch, der schlendert. Langsam gehen kann ich einfach nicht, ich habe es versucht, es geht nicht. Also lief ich zügig durch, während andere gemütlich plauderten und an den Ständen verweilten. Ich nickte freundlich, nahm mir ein Brötchen und war schon wieder weg. Das Bier habe ich am Ziel nachgeholt, aus Prinzip.
Dass ich freiwillig gelaufen bin, hat mich selbst am meisten überrascht. Es war angenehm, draußen zu sein, ohne Bildschirm, ohne Termine, mit netten Leuten am Wegesrand. Am Ende waren die Beine müde, der Kopf aber ungewöhnlich ruhig.
Man sollte das öfter tun. Nur nicht langsam. Das kann ich nicht, und dafür ist der Wald zum Glück groß genug.