Die Wechseljahre – ein natürlicher Lebensabschnitt


Mich hat gestern etwas die seltsame Art von BRF1 aufgeregt, darüber zu berichten. Ein Facebook Interview mit Passantinnen. Ja, sie schwitzen. Danach folgte eine Diskussion mit jungen Frauen… gut gemeint, aber …

Es ist soviel mehr. Der Beitrag wurde der Sache nicht gerecht.

Die Wechseljahre sind keine Krankheit, sondern ein natürlicher Übergang, den jede Frau erlebt, die alt genug wird. So sehen es auch Fachgesellschaften und das Gesundheitsportal des Bundes. Trotzdem liest man im Internet oft von „Symptomen“, „Mangel“ und „Behandlung“, als ginge es um einen Defekt.

Dieser Artikel nimmt eine ruhigere Perspektive ein. Er erklärt, was im Körper passiert, wie unterschiedlich Frauen diese Zeit erleben und warum die Natur sie vermutlich so eingerichtet hat. Und er beantwortet die Frage, die oft vergessen wird: Was ist eigentlich mit den Männern?

Was im Körper passiert

Im Durchschnitt haben Frauen in Deutschland ihre letzte Regelblutung mit etwa 51 Jahren. Diesen einen Zeitpunkt nennt man Menopause. Er steht erst fest, wenn zwölf Monate lang keine Blutung mehr kam. Die gesamte Übergangszeit heißt Klimakterium und dauert meist fünf bis acht Jahre.

Der Grund ist schlicht: Der Vorrat an Eizellen ist von Geburt an begrenzt und verbraucht sich im Laufe des Lebens. Die Eierstöcke bilden deshalb allmählich weniger Östrogen und Progesteron, und das Verhältnis der Hormone verschiebt sich. Wann das passiert, ist zu einem guten Teil erblich.

Die Wechseljahre verlaufen in vier Phasen:

  • Prämenopause: Das sind die Jahre davor. Der Zyklus ist noch regelmäßig, aber die Hormonbildung beginnt sich zu verändern.
  • Perimenopause: Der Zyklus wird unregelmäßig. Erste Veränderungen wie Hitzewallungen sind möglich.
  • Menopause: Das ist die letzte Regelblutung. Sie wird rückblickend festgestellt, nach zwölf Monaten ohne Blutung.
  • Postmenopause: Das ist die Zeit danach. Der Körper hat ein neues hormonelles Gleichgewicht gefunden.

Jede Frau erlebt sie anders

Grob gilt eine Drittel-Regel. Etwa ein Drittel der Frauen bemerkt die Wechseljahre kaum, ein Drittel hat leichte Beschwerden, und ein Drittel hat deutliche Beschwerden. Bei manchen setzt der Übergang so sanft ein, dass sie ihn gar nicht wahrnehmen. Nur wenige Frauen haben über lange Zeit starke Beschwerden.

Am häufigsten sind Hitzewallungen und nächtliches Schwitzen. Je nach Studie kennen sie zwei Drittel bis vier Fünftel der Frauen in Europa und Nordamerika. Daneben kommen Schlafprobleme, Stimmungsschwankungen und trockene Schleimhäute vor. Manches, was in dieser Lebensphase auftritt, wird den Wechseljahren auch zugeschrieben, obwohl es andere Ursachen hat.

Auffällig ist der Blick über die Grenzen. Die Anthropologin Margaret Lock fand in den 1980er-Jahren heraus, dass Frauen in Japan deutlich seltener von Hitzewallungen berichteten als Frauen in Nordamerika. Häufiger nannten sie steife Schultern. Der japanische Begriff „Konenki“ meint einen allmählichen Übergang ins Älterwerden und gilt für Frauen wie Männer. Lock vermutete ein Zusammenspiel von Kultur und Biologie, etwa durch die sojareiche Ernährung. Neuere Forscherinnen mahnen allerdings, Japan nicht zu verklären: Auch dort gilt diese Phase vielen als anstrengend.

Warum die Natur das so eingerichtet hat

Die Menopause ist im Tierreich eine Seltenheit, und gerade das spricht dafür, dass sie einen Sinn hat. Außer beim Menschen kennt man ein langes Leben nach dem Ende der Fruchtbarkeit nur bei einigen Zahnwalen: Orcas, Kurzflossen-Grindwalen, Narwalen und Belugas.

Die bekannteste Erklärung ist die Großmutter-Hypothese, bekannt gemacht von der Anthropologin Kristen Hawkes. Sie beobachtete bei den Hadza in Tansania, dass ältere Frauen besonders viel Nahrung für die Familie sammelten. Wer keine eigenen Kinder mehr bekommt, kann Kinder und Enkel unterstützen, die ja die eigenen Gene weitertragen.

Daten stützen das. Kirchenbücher aus Finnland aus den Jahren 1731 bis 1890 zeigen: Lebte die Großmutter mütterlicherseits bei der Familie, überlebten Kleinkinder zwischen zwei und fünf Jahren um rund 30 Prozent häufiger. Bei Orcas half eine Großmutter, die selbst keinen Nachwuchs mehr hatte, den Enkeln stärker als eine noch fruchtbare, besonders in Jahren mit wenig Lachs. Unumstritten ist die Hypothese nicht. Andere Forscher betonen etwa, dass Mütter und Töchter so nicht um dieselben Ressourcen konkurrieren.

Aus dieser Sicht sind die Wechseljahre kein Verfall, sondern der Beginn einer eigenen, wertvollen Lebensphase. Viele Frauen erleben sie auch ganz praktisch als Freiheit: keine Verhütung mehr, keine Menstruationsbeschwerden mehr.

Natürlich heißt nicht: einfach aushalten

Gelassenheit ist für die meisten Frauen der richtige Grundton. Wer keine Beschwerden hat, braucht auch keine Behandlung, das betonen auch ärztliche Leitfäden. Bewegung, gute Ernährung, Schlaf und ein erfülltes soziales Leben helfen vielen, die Übergangszeit gut zu meistern.

Natürlich ist aber auch eine Geburt, und trotzdem nimmt es niemand einer Frau übel, wenn sie dabei Hilfe annimmt. Für das Drittel mit starken Beschwerden können Hitzewallungen, schlaflose Nächte oder Stimmungstiefs den Alltag und den Beruf spürbar belasten. Dann ist ein Gespräch mit der Frauenärztin sinnvoll. Je nach Lage helfen pflanzliche Mittel, lokale Präparate oder eine Hormontherapie.

Der Mittelweg heißt also: keine Panikmache, aber auch kein Tabu. Wer offen über die Wechseljahre spricht, macht sie nicht zum Problem. Er sorgt dafür, dass Frauen sich nicht allein fühlen und die Hilfe bekommen, die sie wollen.

Kein Problem unserer Zeit

Die Wechseljahre sind so alt wie die Menschheit. Schon antike Autoren wie Aristoteles beschrieben, dass die Fruchtbarkeit der Frau zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr endet. Ältere medizinische Schriften sprachen schlicht vom Ausbleiben der Regel, in der Zeit der Aufklärung sprach man vom „kritischen Alter“.

Das Wort „Menopause“ prägte 1821 der Pariser Arzt Charles de Gardanne. Bemerkenswert ist, dass schon er diese Phase dramatisierte und sie mit einer langen Liste von Krankheiten verband. Auch das Aufbauschen ist also nicht neu.

Neu ist vor allem zweierlei. Heute erreichen fast alle Frauen dieses Alter und leben danach noch Jahrzehnte. Und es wird so viel darüber gesprochen wie nie zuvor, in Medien, in sozialen Netzwerken und in der Werbung. Offenheit ist gut. Aus einem uralten, natürlichen Vorgang muss deshalb aber kein Trendthema und kein Geschäftsmodell werden.

Sich auf altes Wissen besinnen

Viele Kulturen sahen in den Wechseljahren keinen Verlust, sondern einen Aufstieg. Die Ethnologin Godula Kosack befragte über 300 Mafa-Frauen in Nordkamerun. Nach der Menopause gewinnen diese Frauen deutlich an Ansehen, übernehmen rituelle Aufgaben und gelten als zuständig für die „geistige Nahrung“ der Gemeinschaft. Hitzewallungen kannten nur wenige von ihnen. Bei den Maori erhalten ältere Frauen Ehrentitel wie „Kuia“, die weise Alte. In Teilen Westafrikas, etwa im heutigen Mali, durften Frauen erst nach den Wechseljahren als Hebammen arbeiten.

Auch das Erfahrungswissen über Heilpflanzen ist alt. Zwei Pflanzen sind bis heute gebräuchlich:

  • Salbei gilt seit jeher als Mittel gegen starkes Schwitzen.
  • Traubensilberkerze stammt aus Nordamerika und wird gegen Hitzewallungen eingesetzt. Geprüfte Präparate sind in Europa als Arzneimittel zugelassen. Die Studienlage ist gemischt: Manche Studien zeigen eine leichte Besserung, andere keinen Unterschied zu einem Scheinmittel. Wer Leberprobleme hat, sollte auf die Traubensilberkerze verzichten.

Das wichtigste alte Wissen ist vielleicht aber eine Haltung. Forscher der großen US-Studie SWAN vermuten, dass in westlichen Ländern von älteren Frauen geradezu erwartet wird, unter den Wechseljahren zu leiden. Wo diese Phase dagegen für Ansehen und Reife steht, wird sie oft gelassener erlebt.

Und die Männer?

Auch Männer erleben im Alter hormonelle Veränderungen, aber anders als Frauen. Fachleute sprechen von der „Andropause“, genauer von einem partiellen Androgendefizit des alternden Mannes (PADAM) oder von einem Late-Onset-Hypogonadismus. Die Hormonbildung bricht dabei nicht ab, sondern sinkt langsam und stetig. Männer bleiben meist bis ins hohe Alter zeugungsfähig.

So unterscheiden sich Frauen und Männer:

  • Verlauf: Bei Frauen ist es ein Übergang über einige Jahre, der mit der letzten Blutung endet. Bei Männern ist es ein langsamer, stetiger Rückgang über Jahrzehnte.
  • Hormone: Bei Frauen sinken Östrogen und Progesteron deutlich. Bei Männern sinkt das Gesamt-Testosteron um etwa 0,4 Prozent pro Jahr, das freie Testosteron um etwa 1,2 Prozent pro Jahr.
  • Fruchtbarkeit: Bei Frauen endet sie. Bei Männern bleibt sie meist erhalten.
  • Mit 70 Jahren: Frauen haben ein neues, stabiles Hormon-Gleichgewicht. Männer haben noch rund zwei Drittel der Testosteronwerte eines jungen Mannes.

Ein echter Testosteronmangel wird mit dem Alter häufiger. Er betrifft etwa 7 Prozent der Männer zwischen 40 und 60 Jahren, 21 Prozent der Männer zwischen 60 und 80 Jahren und 35 Prozent der über 80-Jährigen. Mögliche Anzeichen sind Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Reizbarkeit, Schlafstörungen, weniger Lust sowie Muskelabbau bei mehr Bauchfett. Auch hier gilt: Nicht jeder sinkende Wert macht Beschwerden. Testosteron ohne klaren Befund als „Anti-Aging-Mittel“ einzunehmen, halten Fachleute für riskant.

Die Frage „Und was ist mit den Männern?“ ist also berechtigt. Auch ihr Körper verändert sich in der Lebensmitte, und auch für sie ist das ein natürlicher Teil des Älterwerdens.

Die Wechseljahre gehören zum Frausein wie die Pubertät: Sie sind ein natürlicher Wandel und kein Defekt. Die meisten Frauen kommen gut hindurch, und die Evolution spricht sogar dafür, dass die Jahre danach eine besondere Bedeutung haben. Wer stark leidet, darf sich trotzdem Hilfe holen, ohne dass daraus gleich „ein Ding“ wird. Und die Männer sind nicht außen vor, ihr Wandel verläuft nur leiser und langsamer.

Quellen