Herbstnebel

Der Morgen kommt auf leisen Sohlen,
in graue Watte eingehüllt,
die Felder liegen wie verstohlen,
vom feuchten Atem still erfüllt.

Die Bäume stehen ohne Ränder,
ein Umriss nur, ein halber Traum,
das Laub, in Rost- und Goldgewänder,
fällt lautlos durch den weißen Raum.

Ein Krähenruf, ganz ohne Richtung,
verliert sich irgendwo im Grau,
die Welt verzichtet auf Gewichtung,
und nichts ist laut, und nichts genau.

Ich geh den Weg, den ich nicht sehe,
und trau dem Boden unterm Schuh;
der Nebel sagt mir, wo ich stehe:
im Jetzt. Und lässt mich sonst in Ruh.

Dann bricht die Sonne, zögernd, blasser,
ein Loch ins milchig-feuchte Tuch,
und Tropfen glänzen, klar wie Wasser,
an jedem Zweig – ein stilles Buch.