Das Schlimmste ist allerdings der Rauch. Wir sind der schwarze Punkt am Pfeil. Das Blaue ist der Brand. Vor ein paar Minuten ist eine wichtige Straße gesperrt worden, weil sie brennt. Ich würde gerne weg, Wohnwagen dran und weg! Die Luft ist zu schwer zum frei atmen. Aber ich habe meinen Ferienjob und kann nicht weg. Vielleicht löst sich das nun von selbst, denn die Urlauber reisen ab. Zum ersten Mal möchte ich wirklich, dass sie nach Hause fahren. Wenigstens ist es dann ruhig hier.
BRF1 ist unser liebster Radiosender, allerdings hat der auf Weltuntergangsstimmung- Musik umgestellt. Es ist ein bisschen wie in einem Horrorfilm. Keine Sicht draußen, die Sonne ist verschwunden hinter Rauch und Nebel, Brandgeruch überall, keine Leute auf der Straße und dann diese Musik …
Schlimmer geht immer.
Wenn das Venn brennt, brennt eine Welt.
Gerade in Ostbelgien ist das Venn eine Existenzquelle. Holz, Tourismus, Natur pur.
Es gibt hier keine Industrie, wir leben vom Tourismus, von der Landwirtschaft, vom Wald und von den Tieren . Hier braucht es keinen Krieg, dieser Krieg ist der Brand, der das Land ruinieren wird.
Das Hohe Venn brennt – und diesmal in einem Ausmaß, das die Region bislang selten erlebt hat. Seit Freitag breitet sich auf belgischer Seite ein großflächiger Wald- und Moorbrand aus. Nach den jüngsten Angaben hat das Feuer inzwischen rund 2.700 Hektar erfasst. Damit gehört der Brand zu den größten Waldbränden, die Belgien je erlebt hat.
Das Hohe Venn ist eine besondere Landschaft: Große Teile bestehen aus Heide, Moor und Torfböden. Solche Flächen können bei großer Trockenheit Feuer nicht nur an der Oberfläche tragen – der Torf kann auch im Untergrund weiterglimmen. Das macht die Bekämpfung besonders schwierig. Das Venn ist zudem eines der bedeutendsten Hochmoorgebiete Westeuropas und ökologisch äußerst wertvoll.
Brände sind im Hohen Venn grundsätzlich kein völlig neues Phänomen. Die empfindliche Moor- und Heidelandschaft hat immer wieder Feuer erlebt. Die aktuelle Ausdehnung von mehreren tausend Hektar stellt jedoch eine außergewöhnliche Dimension dar.
Besonders angespannt ist die Situation inzwischen auf deutscher Seite. Die Feuerfront liegt nach Angaben der Stadt Monschau nur noch etwa drei Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. In Monschau wurden deshalb vorsorglich Evakuierungen vorbereitet. Betroffen sind unter anderem Kalterherberg und Mützenich sowie mehrere kleinere Siedlungen. Rund 5.000 Menschen könnten im Ernstfall betroffen sein. Die Feuerwehr hat zudem Felder nahe der Grenze bewässert, um dem Feuer im Falle eines Übergreifens möglichst viel Zeit entgegenzusetzen.
Auf belgischer Seite mussten bereits Menschen ihre Häuser verlassen. Unter anderem wurden Küchelscheid und Leykaul evakuiert. Wechselnde Winde und die enorme Rauchentwicklung erschweren die Lage zusätzlich. Für Monschau wurde am Sonntagmorgen wegen der möglichen gesundheitlichen Belastung durch den Rauch sogar empfohlen, bestimmte Bereiche vorübergehend zu verlassen.
Das Besondere an diesem Brand ist deshalb nicht nur seine Größe. Er macht deutlich, wie schnell aus einem Feuer in der scheinbar abgelegenen Moorlandschaft ein grenzüberschreitendes Problem werden kann. Das Hohe Venn kennt keine Staatsgrenze – und das Feuer erst recht nicht.
Stand: Sonntag, 16. August 2026, morgens. Die Lage kann sich aufgrund von Wind und Feuerentwicklung jederzeit verändern.